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Um das erste Metal-Festival in der "Live-Arena" im
hessischen Münster rankten sich im Vorfeld bereits einige
Gerüchte: Zunächst hieß es, OVERKILL seien bestätigt,
und später machte noch der Name MOTÖRHEAD die Runde.
Das Ganze sollte zudem als Open Air auf dem riesigen Gelände
hinter dem Club veranstaltet werden. Doch erstens kommt es anders
... und zweitens als man denkt. Schließlich rockten fünf
Bands im Club, MOTÖRHEAD und OVERKILL waren nicht dabei.
Mit GRAVE DIGGER und TANKARD hatten die Veranstalter allerdings
teutonische Qualität aufgefahren. Bereits am Freitagabend
bei der Warm Up-Show spielten "Hellbangers Moselfranken"
DESASTER sowie die lokalen Acts ABANDONED, FRAGMENTS OF UNBECOMING
und TYRAX. Am Samstag war es dann soweit: Das "Moona Metal"
Festival ging in die erste Runde und etwa 400 Headbanger
waren gekommen und feierten, was Nacken, Stimme und Leber hergaben.
Zwar fiel der kurzerhand in die angrenzende Bar verlagerte Metalmarkt
etwas klein aus, aber das kann ja in den kommenden Jahren noch
werden.
Here we go:
SENCIROW
Als erstes durfte die Power Metal-Kapelle SENCIROW aus Nordrhein-Westfalen
auf die Bühne. Die Band hatte sich beim Band-Contest der
"Live-Arena" in den vergangenen Monaten gegen einige
Dutzend andere Kapellen durchgesetzt und bekamen als Belohnung
die Möglichkeit, vor größeren Gruppen aufzutreten.
Die Band um den markanten Sänger/Gitarristen Daniel Seifert
nutzte die halbe Stunde, um mit Songs ihrer beiden Alben "Dreamspace"
(1999) und "Crown Of Creation" (2001) trotz
der unchristlichen Zeit von kurz nach 18:00 Uhr ordentlich Stimmung
in die Bude zu bringen.
DEW-SCENTED
Im krassen Gegensatz zur der Mischung aus METAL CHURCH
und IRON MAIDEN bei SENCIROW standen die Töne, die die
deutschen Death-Thrasher DEW-SCENTED um die Ohren knallten.
Wobei sie die Songs ihrer bisher fünf Alben eigentlich
weniger knallten, sondern in gemächlicher Lautstärke
aus den Boxen kamen. Da hatte der Mann an den Reglern wohl einen
schlechten Tag gehabt. Die Matten des Gitarristen-Duos Hendrik
Bache und Florian Müller kreisten zwar ordentlich und Sänger
Leif Jensen growlte sich die Seele aus dem Leib, aber der positive
Gesamteindruck wurde einfach durch den zu leisen und dumpfen
Sound geschmälert. Bei Soli war teilweise die Rhythmusgitarre
kaum zu hören. Das Publikum ließ sich den Spaß
jedoch nicht verderben und feierte Brecher der Marke "Soul
Poison" oder "Acts Of Rage" (beide vom Album
"Impact" /2003) richtig ab. Der erste Moshpit des
Abends ging somit völlig zurecht an DEW-SCENTED, auch wenn
ich mir als Ersatz für die Absage von OVERKILL noch "Fatal
If Swallowed" gewünscht hätte, das bereits 1998
auf dem Album "Innoscent" von DEW-SCENTED durch den
Death-Fleischwolf gedreht worden war. Trotzdem kein schlechter
Gig, der aber leider aufgrund der Zeitnot um zwei Songs gekürzt
wurde. Da blieb mehr Zeit zum Flippern, wo die Jungs anschließend
bewiesen, dass Fannähe auch nach fünf Alben kein Fremdwort
sein muss.
CALLENISH
CIRCLE
Mit
den Holländern CALLENISH CIRCLE kamen zum zweiten Mal an
diesem Abend die Freunde härterer Klänge zu ihrem
Recht und trotzdem, dass das Match der deutschen Fußball-Nationalmannschaft
gegen die Käsköppe bei der EM in Portugal nur noch
drei Tage entfernt war, gab es keine Ausschreitungen :-) Spaß
beiseite: Wie auch DEW-SCENTED beackern die Mannen um Front-Grunzer
Patrick Savelkoul (unglaublich, was der aus seinen Stimmbändern
alles rausholt) das Feld des Death/Thrash. Im Gegensatz zu ihren
deutschen Kollegen drückte der Sound von CALLENISH CIRCLE
aber richtig im Gesicht. Schön laut und klar, einfach eine
Wonne. Auch konnten sie ihren Set ungekürzt zum Besten
geben. Zu den Höhepunkten gehörten "Soul Messiah"
und "Forsaken" vom Album "My Passion/ Your Pain"
(2003), auch wenn die deutschen DEW-SCENTED als ganz klarer
Punktsieger aus dem Death/Thrash-Duell hervorgingen, was
die Größe des Moshpits angeht. Dennoch: Auch CALLENISH
CIRCLE wurden nach allen Regeln der Kunst abgefeiert. Unverständlich
eigentlich, dass beide Gruppen, die jeweils fünf Alben
im Rücken haben und somit einen gewissen Bekanntheitsgrad,
nur jeweils 45 Minuten Spielzeit zugestanden bekamen. Für
ein Festival eigentlich ein bisschen schmal.
TANKARD
Dann war es Zeit für Frankfurt´s Finest. Mit den
Worten "Oh Gott, bin ich voll" stolperte der sympathische
Front-Koloss Andreas Fritz Johannes Geremia, kurz Gerre, auf
die Bühne. Kurz darauf gab es Klassiker vom Fass: "Chemical
Invasion" , "Space Beer" , "Freibier"
, "Alien" usw. Trotz (oder auch wegen) des einen oder
anderen Bierchens vor dem Konzert rannten Andreas Gutjahr (Gitarre)
und Frank Thorwarth (Bass) wie aufgedreht über die Bühne.
Gerre zeigte immer wieder stolz seinen prächtigen Binding-Spoiler,
und Olaf Zissel beackerte die Kessel mit Schmackes. Bei dem
ganzen Spaß auf der Bühne entstand allerdings nicht
das kleinste Soundloch.
Die Jungs sind nicht nur lange dabei, sondern auch richtige
Profis, denen zu unrecht das ewige Image der Sauf-Kapelle anhängt.
Denn merke: Nur wer Saufen UND Spielen so mit Wucht und Spaß
unter einen Hut bringt und dabei eigentlich immer sympathisch
rüberkommt, ist METAL, auch wenn´s natürlich
Besseres gibt, als ein Eintracht-Fan zu sein (*hüstel*).
Das nur am Rande, sonst zwangspeitscht Kollege Marco Knöll
mich beim nächsten Treffen.
Zurück
zu TANKARD: Die gaben dem Publikum einen Brecher nach dem anderen
und holzten
sich durch das GANG GREEN-Cover "Alcohol"... gaben
"Maniac Forces" in einer Killer-Version zum Besten,
ließen das Publikum bei "The Morning After"
völlig hohldrehen und bei "Freibier" lauthals
mitsingen.
In die ganze Reihe von absoluten Müssern bei einer TANKARD-Show
integrierten sich "New Liver Please" und der Fast-Schon-Klassiker
"Rectifier" (beide von "B-Day" /2002) nahtlos.
Zur letztgenannten Kategorie muss auch der völlig geniale
Thrasher "Die With A Beer In Your Hand" vom aktuellen
Output "Beast Of Bourbon" gezählt werden.
Wenn
Gerre so augenzwinkernde Textzeilen wie "Sword Held Higher,
Who´s The Liar, I Got The Beer Of Fire"in Richtung
etlicher Schwertfuchtel-Schwuch- tel-Kapellen schickt, schmeckt
das Bier noch einmal
so gut. Aber auch "Slipping From Reality" und "Beyond
The Pubyard", ebenfalls beide vom neuen Opus, wurden lauthals
mitgegröhlt und abgefeiert. Zwischendrin rieb Gerre immer
mal wieder seine Wampe an Stagedivern oder petzte über
die sexuelle Neigung des Roadies. Zum Schluss gab´s dann
natürlich noch den Hit schlechthin, nämlich "(Empty)
Tankard" bevor die Krüge im Publikum nach der Show
wieder mit Gerstensaft gefüllt wurden.
Geiles
Konzert, besser geht´s fast nicht. Doch ... halt, es wäre
freilich noch besser gegangen, nämlich wenn TANKARD statt
einer lahmen Stunde wenigstens 80 bis 90 Min. zugestanden worden
wären, denn wenn ich mich nicht verhört habe, wurde
aus der Zeit von 1994 ("Two-Faced") bis 2000 ("Kings
Of Beer") kein einziges Lied gespielt. Mit "The Tankard"
(1995) und "Disco Destroyer" (1998) macht das vier
Alben, die nicht berücksichtigt wurden. )

GRAVE DIGGER
Tja! Und dann war es mal wieder
soweit: GRAVE DIGGER-Keyboarder Hans Peter Kratzenburg schlich
im Reaper-Outfit auf die Bühne, mimte ein wenig den grimmigen
Schnitter und verschwand dann hinter den Tasten, um die Stage
für Onkel Chris Boltendahl & Co. freizugeben. Für
meinen Geschmack war der Titel-Track des neuen Albums "Rheingold"
allerdings kein optimaler Einstieg, weil der Chorus gegenüber
der Studio-Version doch arg schwachbrüstig klang. Und weil
ich gerade am Meckern bin: Der Gitarren-Sound von Manni Schmidt
fräste zwar schön laut und fies, aber bei jedem Solo
klang die Band doch etwas dünn. Live wäre vielleicht
ein zweiter Gitarrist sinnvoll. So, das war´s jetzt aber,
denn eigentlich gab es mal wieder nichts zu meckern am GRAVE
DIGGER-Gig. Mit "The Grave Dancer", "Circle Of
Witches" und "Heart Of Darkness" gab´s
gleich in der ersten Konzerthälfte drei Titel vom "Heart
Of Darkness"-Album (1995). Onkel Chris war gut drauf und
bewegte sich viel auf der kleinen Bühne, schüttelte
Hände oder grinste einfach nur wie ein Honigkuchenpferd
aufgrund der Fan-Reaktionen.
Die
waren zwar nicht mehr ganz so enthusiastisch wie bei TANKARD,
aber gemessen an der fortge- schrittenen Stunde immer noch absolut
ordentlich. Bei der Setliste auch kein Wunder, denn die Grab-
schaufler gaben den Fans einen ordentlichen Querschnitt ihres
bisherigen Schaffens. "Lionheart" und "Knights
Of The Cross" und vom gleichnamigen Album (1998) sowie"The
Dark Of The Sun", "Scotland United"und "Rebellion
(The Clans Are Marching)" vom Hit-Album "Tunes Of
War" (1996) wurden lauthals mitgegröhlt. Für
mich überraschend feuerten GRAVE DIGGER mitten im Set plötzlich
"Witchhunter" (1985) in die Menge. Das ich das noch
mal erleben durfte (*schnüffz*). Schließlich war
der Titel-Song vom Zweitwerk der Combo lange aus dem Live-Programm
verschwunden gewesen. "Valhalla" vom neuen Werk setzte
dann wieder den Kontrastpunkt zu den neuen GRAVE DIGGER. Trotz
seines Ohrwurm-Charakters nahm "Morgane Lefay" ("Excalibur"
/1999) die Stimmung etwas raus, was aber "The Grave Digger"
wieder wett machte. Der Song gehört langsam aber sicher
in die Abteilung Klassiker, auch wenn das zugehörige Album
von 2001 untypisch für die Band war.
Für
mich ist und bleibt es die beste GRAVE DIGGER-Platte seit "The
Reaper" /1993 ... basta. "Excali- bur" war noch
zu hören und brachte die Gruppe auf fast zwei Stunden Spielzeit.
Aber einige Songs blieben unbeachtet. "Shoot Her Down"
von der gleichnamigen Maxi-Single (1984) zum Beispiel oder "Shadows
Of A Moonless Night" von "The Reaper" , die ersten
beiden Alben komplett und und und. Bei ei- nem Backkatalog wie
ihn GRAVE DIGGER mittlerweile haben, hat wohl jeder im Publikum
den einen oder anderen Song vermisst ... bleibt halt nicht aus.
Aber natürlich wäre die "Live-Aren" von
den Fans zu kleinen handlichen Stückchen geschreddert worden,
wenn die Band von der Bühne gegangen wäre, ohne DEN
Grabschaufler-Song schlechthin zu spielen: "Heavy Metal
Breakdown" brachte die Meute noch mal gehörig in Wallung
und stellte noch mal einen letzten Härtetest für Stimmbänder
und Nackenmuskeln dar. Und nach so einem Abschluss ist sowieso
jedes Konzert gut, also Daumen hoch für Onkel Chris und
Daumen hoch für´s erste "Moona Metal"-Festival,
auch wenn´s noch in der Halle war. Aber so haben schon
ganz andere Festivals angefangen.
(Thomas
- 06/2004)
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