TANKARD: Live Review vom 16.07.04 - Kaltenbach Open Air in Spital am Semmering (A), zu finden bei www.metalprovider.com/graveyard

Festivaltitel: Kaltenbach Open Air 2004
Datum: 16.07. - 17.07.2004

Beginn: 11.00 Uhr.

Ort: Spital am Semmering

Bericht: Polsi

Fotos: Polsi
Billing Freitag: Billing Samstag Abgesagt:
Mortal Coil
Erebos

Infestigation

Khagan

Decomposed Cranium

Alastor

Stand Ablaze

Festering Flesh

Punishment

Sanguis

Trimonium

Hypnos

In Battle

Fleshcrawl

Vader

Naglfar

Tankard
Perishing Mankind 
Ars Moriendi

Eventide

Violent Devoties

Autumn Clan

Evocation

Sternenstaub

Vanitas

Goddamned X

Impurity

Seeds of Sorrow

Adimiron

Dark Fortress

Gorerotted

Graveworm

Behemoth

Pungent Stench

Impaled Nazarene
Visions of Atlantis


 

Bereits in die zweite Runde ging Österreichs festivaltechnischer Höhepunkt in diesem Jahr, und zwar mit einem Billing, bei dem der Puls eines jeden Metalfreaks gleich zweimal so schnell schlägt. Ein wenig zu schwarzmetallisch ging es im letzten Jahr zur Sache, was heuer glücklicherweise nicht der Fall war. Von Death- über Black Metal bis hin zum astreinen Thrash der alten Schule war diesmal alles vertreten, darunter auch international bekannte und renommierte Bands, die nicht alle paar Monate in Austria zu sehen sind. Doch nicht nur hier gab es Verbesserungen, sondern auch in Hinsicht auf die Organisation und auf grandiose Stimmung, für die sich sowohl die Gruppen als auch die über tausend irren Maniacs verantwortlich zeigten, die sich vom ausgesprochen coolen Festivalflair anstecken ließen...

Freitag

Der Freitag begann genau nach Plan: aufstehen um halb acht, mit dem Bus nach Graz, dann per Auto weiter zum Festival. Bis auf den letzten Punkt klappte auch alles problemlos, und wir wären pünktlich zur ersten Band am Gelände gewesen, aber das Glück war nicht auf unserer Seite, denn wir schafften es, uns gleich mehrmals zu verfahren, was seinen Höhepunkt schließlich in einer lässigen Auf-der-Autobahn-im-Kreis-Fahr-Aktion fand. Danach haute wieder alles problemlos hin und wir konnten unser Zelt auf einem schön ebenen, aber dafür recht steinigen Platz aufstellen. Um möglichst nahe am Festivalgelände zu sein, machten wKHAGAN - erdiger old school Thrash Metal aus Kärntenir uns gar nicht erst die Mühe, den offiziellen Campingplatz aufzusuchen. Als die wichtigsten Vorbereitungen getroffen waren und wir schließlich den heißersehnten Platz vor der Bühne einnehmen konnten, bekamen wir gerade noch die letzten paar Songs der Kärntner Thrash Metal Band Khagan mit, die sich ausgesprochen gut schlug und das schon recht zahlreich erschienene Publikum zu begeistern wusste. Die Songs der Band tendieren in Richtung ältere Sepultura und wurden in einem sehr akzeptablen Soundgewand durch die Boxen geblasen, auch wenn die Vocals (wie übrigens bei sämtlichen anderen Bands) etwas zu leise waren. Das Quintett aus Griffen war gut eingespielt, doch leider passierte trotzdem ein etwas größeDECOMPOSED CRANIUM - Death/Thrash/Grind aus Kärntenrer Patzer, über den man angesichts der Qualität des restlichen Auftritts locker hinwegsehen konnte.
Weiter ging es mit Decomposed Cranium, die ebenfalls aus Kärnten angereist waren und versuchten, die anwesenden Metalheads mit schnellem Death/Grind/Thrash Metal zu beeindrucken. Für mich bedeutete dies eine anstrengende halbe Stunde auf der Bühne mit einem Mikro in der Hand, die aber durch super Applaus belohnt wurde. Die Songs unseres neuen Albums "Caged in Chaos" kamen exzellent an, aber auch ältere Schinken wie "No Future, Baby". Bevor dieser Bericht aber den penetranten Gestank von Eigenlob annimmt, gehe ich lieber gleich zur nächsten Band über, hehe...
ALASTOR - Schwarzmetall mit Hang zur EpikDie Black Metaller von Alastor waren mir von ihrer letzten Demo CD "Graveyard Desecration" in sehr guter Erinnerung geblieben, aber meine Erwartungen erfüllten sie bei ihrem Auftritt leider nicht. Der Sound war zu verwaschen, um klare Konturen erkennen zu lassen, die Songs zu lang, um Akzente setzen zu können. Natürlich ist es nicht gerade von Vorteil, derart düstere Musik am frühen Nachmittag bei klarem Himmel und Sonnenschein präsentieren zu müssen. Auf Corpsepaint und Patronengurte verzichtete die Band, deren Kompositionen immer wieder an Immortal erinnerten, komplett, was als positiv aufgefasst werden kann.
Stand Ablaze waren danach eine sehr positive Überraschung, denn ihrSTAND ABLAZE - sehr positive Überraschung und toller Ausgleich stark von Iron Maiden und der schwedischen Melodic Death Metal Schiene beeinflusster Metal wurde tight und mit viel Elan heruntergezockt. Hilfreich war dabei der überaus klare Sound, der die zahlreichen doppelstimmigen Gitarrenmelodien und -soli ins rechte Licht rückte. Sängerin Martina überzeugte durch ein ausgewogenes Zusammenspiel von toller Gesangsleistung und Show, wobei letzteres noch ein wenig ausgebaut werden könnte. Sicher bin ich mir jedenfalls in einem Punkt: mit einem solchen Oberteil wird die 21jährige Frontröhre nie wieder auftreten!
FESTERING FLESH - eher enttäuschend.Nach achtjährigem Bestehen im Underground schickten sich Festering Flesh nun an, ihren voraussichtlich letzten Gig zu spielen, und nachdem ich mir das ganze angesehen habe, bin ich darüber auch nicht wirklich traurig. Death Metal mit einem starken Schweden-Einschlag wurde in die Menge gefeuert, aber richtiges Bangfeeling kam während der 30 Minuten nicht auf. Die Musiker wirkten etwas unmotiviert und schienen den Gig auch nicht wirklich ernst zu nehmen. Die Songs ihrer beiden Demo CDs wurden zwar präzise gespielt, aber einen vernünftigen Grund, mir den ganzen Gig anzusehen, fand ich nicht.
Wie man Death Metal auf der Bühne richtig rüberbringt, zeigten im Anschluss Punishment aus Wien. Die Band zeigte sich routiniert und gut eingespielt, präsentierte sowohl alte Songs ihrer ersten Demo CD (zB "Feathered Serpent") als auch neue Stücke. Groovig und zeitweise richtig gemütlich klang ihr Songmaterial, das von abwechslungsreichen Vocals bereichert wurde und fand damit auch großen Anklang bei den Fans dieses Death Metal Stils.
SANGUIS - solide Black Metal ShowDie Steirer Sanguis machten ihre Sache ebenfalls gut und zeigten sich als ein eingespieltes Quartett mit einer Menge an Bühnenerfahrung. Die abwechslungsreiche Setlist ließ eine deutliche Steigerung von den alten Nummern der Band hin zu den Stücken des neuen Albums "Infernum Infinitum" erkennen, sowohl in kompositorischer als auch in instrumentaltechnischer Hinsicht. Auch wenn das Stageacting der Combo - insbesondere von Sänger Umbra - sicher nicht jedermanns Sache ist, kann man von einem gelungenen Auftritt sprechen, der so ziemlich allen Freunden des variationsreichen und teilweiseTRIMONIUM - schwarzmetallische Offenbarung melodischen Black Metal gefallen haben müsste.
Noch einen drauf setzte die deutsche Band Trimonium, die der hungrigen Black Metal Meute in absolut grandioser Weise die Songs ihrer beiden Alben "Of Warriors and Heroism" und "Blow the Horns" zum Fraß vorwarf. Es gelang der Gruppe perfekt, die Stimmung ihrer melodischen, aber trotzdem überdurchschnittlich aggressiven Kompositionen auf das Publikum zu übertragen - und das bei hellstem Tageslicht um gerade einmal 18.30 Uhr und ohne Requisiten, wie zB Corpsepaint. Eine Leistung, die wahrlich nicht jeder Band dieses Genres gelingt und für die Trimonium Respekt verdient haben!

HYPNOS - überzeugten durch Energie.Als danach Hypnos aus Tschechien die Bühne betraten, schlug endlich die Stunde aller Death Metal Freaks. Das sympathische Trio um Ex-Krabathor Bassisten Bruno faszinierte die versammelte Todesbleigemeinde mit extrem geilen old school Death Metal Krachern der Marke "Fatal Shine of the Sky", "Burn the Angels down" und insbesondere "Lovesong", das beim Song-Poll auf der Website der Gruppe mit Abstand am besten abschnitt. Schon beinahe paradox wirkte Drummer Pegas, der sein bemerkenswert detailgenaues Schlagzeugspiel mit einer Mine kombinierte, die eher an einen bekifften Hippie erinnerte, als an einen Death Metal Drummer. Ein super Auftritt einer verdammt guten Band! IN BATTLE - geschwindigkeitsmäßige Überraschung aus Schweden.
Eine Kuriosität folgte sodann mit In Battle aus Schweden, die sich gleich nach dem Hypnos Gig daran machten, vor dem eigentlichen Drumkit ihr eigenes aufzubauen. Der Grund für diese Aktion wurde auch gleich beim ersten Stück klar, als Drummer Nils Fjellström damit begann, die - neben Behemoth und vielleicht auch Vader - schnellsten Blastbeats des kompletten Festivalbillings herunterzuprügeln. In Battle boten feinsten Death/Black Metal mit abartig komplexen Parts, die leider etwas unter dem leicht verwaschenen Sound litten. Klarerweise im Vorteil waren jene Zuschauer, denen das Material von den bisherigen Releases dieser Ausnahmeband bekannt war. Alle anderen standen baff vor der Bühne und wurden mit vertrackten und teils überlangen Songs konfrontiert, deren Strukturen sich bei einem Liveauftritt unmöglich richtig entfalten konnten. Auf jeden Fall war ihr Gig Unterhaltung pur, denn die Jungs legten eine außergewöhnliche Spielfreude an den Tag, die sich auch auf die Zuhörerschaft übertrug.
FLESHCRAWL - geil, aber zu kurz!Weitaus live-tauglicher waren dann natürlich Fleshcrawl, deren Rumpel-Death auch bei 2,5 Promille noch richtig knallt! Ihrem Gig gingen anscheinend einige technische Probleme voraus, weshalb man den ersten Song "Soulskinner" vom gleichnamigen Album erst mit ein wenig Verspätung starten konnte. Schwedischer Death Metal, wie er schwedischer kaum klingen kann, strömte im typischen Gitarren-Bratsound durch die Anlage. Die gegrunzten Vocals gingen wieder einmal unter, aber trotzdem war der Set der Deutschen viel zu schnell wieder vorbei. Davon hätte ich gerne mehr gehört!
Vader traten dann nichVADER - waren schon mal schlechter.t wie erwartet mit ihrem Original Schlagwerker Doc auf, sondern mit einem Ersatzdrummer, der mir leider nicht bekannt war, seinen Job aber mindestens genauso gut erledigte. Unterschiede fielen mir jedenfalls keine auf. Zu den Live-Qualitäten der Polen viele Worte zu verlieren, erachte ich als eher sinnlos, auch wenn ich die Permanent-Tourer schon in weitaus schlechterer Verfassung gesehen habe. Songs vom kommenden Album "The Beast" wurden zwar vorgestellt, kamen aber natürlich nicht so gut an wie beispielsweise die grandiose Zugabe "Carnal", bei dem der mysteriöse Mann hinter den Drums eindeutig bewies, dass er zu den besseren seiner Spezies zählt.


NAGLFAR - absolut überzeugend Die Schweden von Naglfar als Co-Headliner zu buchen, erwies sich auch gleich nach den ersten Minuten ihres Gigs als eine hervorragende Idee. Interessant war nicht nur das perfekte Zusammenspiel der Musiker, sondern auch das lebhafte und leidenschaftliche Stageacting von Sänger Jens Rydèn, welches durch euphorische Reaktionen seitens der Menge honoriert wurde. Sämtliche Hits ihrer bisherigen Laufbahn kamen zum Zuge, darunter auch "Devoured by Naglfar" vom aktuellen Album "Sheol" oder das göttliche "Horncrowned Majesty" vom "Diabolical" Album. Die Performance der fünf Musiker wirkte routiniert, aber keineswegs einschläfernd, auch wenn die Saitenhexer im Vergleich zum Vokalisten eher im Hintergrund agierten. Wer aber denkt, die Begeisterung geht im Falle von Naglfar nur vom Publikum aus - was bei anderen Combos durchaus der Fall zu sein scheint - der irrt sich gewaltig. Die Freude der Band war kaum zu übersehen - dies wird ein jeder bestätigen, der Schreihals Jens nach dem Konzert händeschüttelnd und herumschreiend in der ersten Reihe beobachten konnte. Ohne Frage - an die Qualität einer Liveshow von Naglfar kommt in diesem Genre so schnell keine andere Combo heran.
 

TANKARD - in Bestform.Danach war es endlich Zeit für Bier und Spaß! Die irren Frankfurter von Tankard sollten nun nach über 10 Jahren endlich wieder in Österreich auftreten, um Chaos, Suff und Ausgelassenheit zu verbreiten, was ihnen schließlich auch auf wunderbare Weise gelang! Schon seit 1982 (!) treiben die Kult Thrasher um Metal-Institution Gerre (Vocals) ihr Unwesen, und ich kann nach diesem Auftritt ehrlich sagen, dass die Gruppe nichts vom jugendlichen ÜbermTANKARD - Gerre mit Mädel aus dem Publikum.ut der ersten paar Alben verloren hat. Die ersten paar Stücke, darunter "Need Money for Beer" oder der Kult-Song "The Morning After" ließen sämtliche Thrash Metal Heads in höchster Zufriedenheit auf und ab federn, während Gerre immer wieder seinen immer voluminöser werdenden Bierbauch zur Schau stellte. Die Ansagen wirkten spontan und witzig: "Es freut uns, dass wir hier auf diesem Festival die einzige Pop-Band sind. Wahrscheinlich sind darum auch so viele hübsche Mädels in der ersten Reihe" oder "Früher flogen noch BHs auf die Bühne, heute sind es irgendwelche Death Metal Shirts. Wem gehört denn der Scheiß eigentlich?". Als dann etwa in der Mitte des Sets ein Mädel aus der ersten Reihe auf die Bühne musste, um sichtlich angewidert mit der Band Bier zu trinken und anschließend während der folgenden Thrash Granaten auf selbiges aufzupassen, war die Stimmung natürlich perfekt. Leider verschwanden aber auch Tankard um etwa zwei Uhr morgens  viel zu schnell von der Bühne, aber nicht, ohne vorher unter großem Beifall ihren wohl größten Hit "Empty Tankard" vom Stapel zu lassen - unterstützt vom Publikum und einer ganzen Brigade von Fans, die sich auf der Bühne tummelte. 

TANKARD - Stimmung pur!