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Interview
mit Olaf Zissel [03/2004]
Mit
"Beast Of Bourbon" haben die deutschen Thrash-Urgesteine
von TANKARD mal wieder einen echten Hammer am Start. Härter,
melodischer und noch einmal einen Zacken besser als der Vorgänger
"B-Day" - so lautet das Fazit zu "Beast Of Bourbon".
Schlagzeuger
Olaf Zissel sprach mit uns über die derzeitige Lage im
TANKARD-Camp und hatte einige wirklich interessante Anekdoten
parat...
Björn:
Hi, wie geht es denn so?
Olaf:
Ja, ganz gut soweit!
Björn:
Okay, dann lass uns direkt mal loslegen; kommen wir einmal zu
eurem neuen Album "Beast Of Bourbon". Beschreibe die
Platte mal aus deiner Sicht!
Olaf:
Ja, wo soll ich da anfangen? In erster Linie haben wir da draufgepackt,
was uns in den Sinn gekommen ist. Wir haben nicht so viel Zeit
damit verbracht, irgendwelche komplizierten Songs zu machen.
Unser Gitarrist hat sich ein wenig verbessert und es gibt auch
einige melodische Sachen, aber ansonsten: TANKARD wie immer!
Björn:
Im Gegensatz zu "B-Day" habt ihr meiner Meinung nach
härtetechnisch noch mal eine Schippe draufgepackt. War
das ein beabsichtigter Schritt?
Olaf:
Ja, das hat sich so ergeben. Dafür haben wir aber, wie
gesagt, auch einige sehr melodische Parts da drauf.
Björn:
Eigentlich erwartet man von einer Band wie TANKARD ja keine
großen stilistischen Veränderungen mehr. Trotzdem
habt ihr nun mit `Endless Pleasure´ einen recht ungewöhnlichen
Track dabei, der erst einmal so gar nicht nach TANKARD klingt.
Wie ist es zu diesem Song gekommen? Was steckt dahinter?
Olaf:
Ähem, was soll ich sagen? Den haben wir halt zusammengebastelt
und uns entschieden ihn mit draufzunehmen. Da ist eigentlich
keine weitere Geschichte; ob das nun kommerziell oder halt für
TANKARD unglaubwürdig ist, ist uns egal. Das haben wir
halt einfach gemacht.
Björn:
Ein anderer auffälliger Track nennt sich `Die With A Beer
In Your Hand´. Klingt alles wie ein ziemlicher Seitenhieb
auf die True-Metal-Szene. Wie stehst du denn zu den True-Metallern
und ihren Anführern von MANOWAR?
Olaf:
Das ist nicht wirklich böse, sondern mehr ironisch. Ich
habe aber mit True Metal nix am Hut, ganz ehrlich! Ich komme
halt mehr aus der Punk-Ecke, bin ein großer RAMONES-Fan
und steh auf die alten Sachen, wie z.B. D.R.I. und so etwas.
Ja, dieses Schwert- und Muskel-Gehabe, das kann einem schon
mal schwer auf die Nerven gehen.
Björn:
Du sagst, du kommst aus der Punk-Ecke, da passt dieses Cover
`We`re Coming Back´ ja prima hinein, eine astreine Fußballhymne.
Hattet ihr schon länger mal so einen Song geplant oder
hat sich das spontan ergeben?
Olaf:
Das war eigentlich Gerre`s Idee, der fand den halt super stark
und wollte ihn unbedingt draufhaben und hat schon böse
geblickt, als wir Nein gesagt hatten, weswegen wir schlussendlich
dann doch noch sagten: "Na gut, bevor sich einer aufhängt".
Björn:
Ihr seid ja als Fußballfanatiker bekannt. Daher mal die
Frage: Wie weit werden es die Deutschen bei der kommenden EM
schaffen?
Olaf:
Also, da kann ich nicht so für die Band sprechen. Für
mich alleine kann ich nur sagen, dass mir das so dermaßen
Wurscht ist.
Björn:
Oh, also kein Fußballanhänger?
Olaf:
Ne, ganz und gar nicht. Ich sehe mir auch mal so ein Spiel an,
aber da passiert einfach zu wenig Sehenswertes. Da sind zehn
Minuten, die man sich anschauen kann ja furchtbar, was
für ein Scheißsport.
Björn:
Dann hätte ich die folgende Frage wohl auch besser an den
Gerre gestellt: Wie wäre es denn eigentlich mal mit einer
Stadionhymne für die Frankfurter Eintracht? Hat es nicht
da schon einmal so eine Idee gegeben?
Olaf:
Das haben wir ja schon mal versucht, aber das ging leider in
die Hose. Vor drei Jahren hatte die Eintracht ja 100-jähriges
Jubiläum und da gab es so einen Sampler, da konnten Bands
aus Frankfurt und Umgebung einen Beitrag zusteuern. Wir haben
dafür auch einen Song gemacht auf Gerre`s Drängen
und da wurde schließlich ein Song ausgewählt, der
jeden Samstag im Stadion laufen sollte. Wir sind dann auf dem
zweiten Platz gelandet und haben halt ziemlich abgelost! Ich
hoffe, das war es dann mit den Fußballbemühungen!
Björn:
Ihr habt ja in den letzten Jahren auf fast allen prominenten
Festivals gespielt, meines Wissens aber keine ganze Tour gefahren.
Wie sieht es denn da in Zukunft aus, werden TANKARD wieder on
the road gehen?
Olaf:
Länger als vier oder fünf Tage nicht mehr. Wir haben
da einfach alle keinen Bock mehr drauf, das ist zu stressig.
Zu alt würde ich zwar nicht sagen, aber der Gerre packt
das mit seiner Stimme nicht mehr und jeder hat seinen Job und
Familie. Da kann sich keiner erlauben so lange wegzubleiben,
zumal auf Tour auch nicht so viel zu verdienen ist. Wir beschränken
uns im Großen und Ganzen da schon mehr auf die Wochenenden,
das ist insgesamt auch viel praktischer.
Björn:
Hätte euch denn so eine Tour mit SODOM, KREATOR und DESTRUCTION
nicht gereizt?
Olaf:
Tja, wenn man uns gefragt hätte, dann hätten wir uns
das sicherlich mal überlegt.
Björn:
Aber da kam nichts?
Olaf:
Doch, da kam schon einmal ein Angebot, aber da spielst du dann
den Opener vor vier anderen Bands und das wollten wir uns dann
auch nicht antun.
Björn:
Hast du denn eine dieser Shows gesehen?
Olaf:
Nein, hätte ich zwar gerne gemacht, aber ich konnte zu
diesem Zeitpunkt nicht dorthin.
Björn:
Ihr habt vor zwei Jahren euer 20-jähriges Jubiläum
gefeiert. Wie lange werden TANKARD denn noch aktiv sein?
Olaf:
Kann ich dir nicht sagen. So lange jeder noch irgendwie Lust
hat. Also wir haben nicht geplant, in nächster Zeit aufzuhören,
sonst würden wir ja auch nicht hier eine neue Platte promoten.
Björn:
Was müsste passieren, damit du selber sagen würdest,
es hat keinen Zweck mehr?
Olaf:
Da müssten wir schon untereinander irgendwie Krach kriegen.
Aber ich glaube nicht, dass das passieren wird; wir haben so
viel Spaß miteinander und sind nicht darauf angewiesen,
da irgendwie Geld mit zu verdienen. Das ist eigentlich die beste
Ausgangsposition; wir freuen uns sicher, wenn mal ein paar Mark
reinkommen, aber wir rechnen halt nicht damit. Das ist alles
super locker, freundschaftlich und, wie gesagt, die beste Ausgangsposition
für eine große Party!
Björn:
Viele Bands entwickeln die tolle Eigenart, zu jedwedem Jubiläum
eine DVD oder eine Live-CD zu veröffentlichen. Das habt
ihr nicht getan. Wäre es nicht langsam mal Zeit für
einen derartigen Release?
Olaf:
Ja, würden wir gerne machen aber da fehlen uns schlicht
und ergreifend die Mittel zu. Da kannst du dann die Plattenfirma
mal fragen und die sagt dir dann, angesichts der Plattenverkäufe
wird das ein Minusgeschäft. Da müssten wir halt jemanden
finden, der uns das sponsert.
Björn:
Dann kann ich mir ja eigentlich die nächste Frage auch
sparen Ich habe mir erst letztlich mit ein paar Kumpels wieder
den Clip zu `Space Beer´ angesehen und der ist ja wirklich
cool. Ich meine, gerade jetzt, wo Metalclips auch wieder bei
den Musiksendern laufen, wäre es doch sicherlich auch reizvoll
einen neuen Clip zu machen, oder nicht?
Olaf:
Ach ja, da ist in der Tat etwas in der Mache, aber da will ich
jetzt noch nichts zu sagen, weil es halt noch nicht spruchreif
ist, aber wir überlegen uns das momentan.
Björn:
Was steht jetzt als nächstes an im Terminkalender von TANKARD?
Habt ihr vielleicht schon irgendwelche Gigs für dieses
Jahr geplant?
Olaf:
Puh, ich hab es jetzt gerade nicht im Kopf, da müsstest
du mal auf unserer Homepage schauen, aber da stehen auch noch
nicht alle drin, wie zum Beispiel einige Gigs im Spätsommer.
Björn:
Welche persönlichen Wünsche hast du für die Zukunft
der Band?
Olaf:
Ich hoffe erst einmal, dass wir mit der neuen Platte an den
Erfolg von "B-Day" anknüpfen können und
auch möglichst viele Shows im Ausland, wo wir noch nicht
waren.
Björn:
Gibt es da irgendwelche konkreten Ziele, wo du dringend mal
hinmöchtest?
Olaf:
Südamerika, Australien und Afrika, dann haben wir alle
Kontinente durch.
Björn:
Ist dir eigentlich unser Magazin Powermetal.de ein Begriff?
Olaf:
Ja klar, ich kenne den Georg! Der war ja auf unserer Releaseparty
und da bin ich später mit dem im selben Bett aufgewacht.
Das war sehr witzig, da ich nicht genau wusste, wie ich da hingekommen
bin.
Björn:
Ach, erzähl mal weiter, das hört sich ja interessant
an...
Olaf:
...ja, das war so: Wir hatten ja geplant, mit dem Appelwoi-Express
in Frankfurt den Journalisten mal die Stadt zu zeigen. Ich weiß
ja nicht, ob der schon was erzählt hat, aber das ging ja
ziemlich in die Hosen, weil der Appelwoi-Express nicht gekommen
ist. Dann mussten wir halt schon sehr früh mit dem Trinken
anfangen in der Kneipe und deshalb war ich auch schon sehr schnell
betrunken. Ich bin dann irgendwann morgens aufgewacht, wusste
nicht, wo ich bin, und hab mich erschrocken, als ich den Georg
neben mir hab liegen sehen.
Björn:
Oh, das ist ja wohl mal eine coole Story für unser Magazin.
Hast du denn jetzt am Ende noch irgendwelche letzten Worte für
unsere Leser?
Olaf:
Ja, wie viele Leute besuchen euch denn so?
Björn:
Tja, wir haben über 300.000 Visits jeden Monat.
Olaf:
Da habe ich dann auch nur eine wichtige Botschaft: Ihr könnt
euch alles aus dem Internet herunterladen, aber bitte keine
TANKARD-Sachen, die solltet ihr euch schon im Laden kaufen!
Björn:
Alles klar, ich werde es weitergeben! Dann bedanke ich mich
für dieses Interview und wünsche euch mit der neuen
Platte viel Erfolg!
Olaf:
Vielen Dank und tschüss!
Björn Backes [27.03.2004]
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