Konzert-Review: Metal Dayz, 3. August in Pratteln 2003 zu finden bei: www.taste-of-black.ch

Day 3 mit Slayer/ Masterplan/ Rotting Christ/ Tankard/ Nile/ Symphorce/ Schandmaul/ Rawhead Rexx/ Elis/ Disparaged/ Soul Strip/ Zatokrev

3. August, Pratteln Z7

Tag drei beginnt mit einer Trampanne, weswegen ich von den Schweizer Deathern Disparaged nur noch die letzten drei Songs sehe bzw. höre. Pfeifschneller und hyperaggressiver, in Richtung US of A gehender Death Metal, der bereits frühmorgens zahlreiche Banger motiviert. Für mich genau das Richtige zum Warmwerden (natürlich nicht wegen der Temperatur, denn es ist schon wieder verdammt heiss!).

Etwas gemässigter, gothicmetallischer geht's mit Elis weiter, die vormals unter dem Namen Erben der Schöpfung fungierten. Die Sängerin hat eine schöne, klare Stimme, singt nie zu hoch und ist in bester Stimmung. Die zwei Gitarristen sorgen für ziemlich Druck und der Basser ist für den einen oder anderen Background-Grunzer verantwortlich. Elis machen ihre Sache mehr als ordentlich und bekommen von den noch nicht so zahlreich erschienenen dicken Applaus. Sehr schön melancholisch.

Bei den deutschen Metallern von Rawhead Rexx ist die Halle dann bereits wieder amtlich voll. Die Herren fahren auch ein geiles Brett auf und verbreiten sofort gute Stimmung, zumal sie ein riesen Laufpensum zurücklegen und vor allem der Basser mit elegantem Hüftdreher (dreimal pro Song) und später sein Arbeitsgerät von einem der Boxtürme aus bearbeitend mehr als überzeugt. Zudem haben alle den ganzen Gig ein Grinsen im Gesicht. "Wollt ihr was zum Bangen?" Schon, geht aber nicht (Hals tot!). Doch dann, auf einmal, ist der Moshmuskelkater weg und es darf frei von der Seele gebangt werden! Das passt zu den Heavy Metal-Krachern sehr gut, vor allem bei denen des neuen Albums "Diary In Black" steppt ordentlich der Bär. Zum wiederholten Male bei den Metal Dayz geht die Zeit viel zu schnell vorbei, und Rawhead Rexx können den Gig als vollen Erfolg verbuchen.

Die angebrochene Partystimmung findet bei den Mittelalter-Metallern und Metallerinen von Schandmaul ihre Fortsetzung. Mit Harmonika, (elektrischer) Geige, Leier etc. geht's mächtig rund und die Leute machen von der ersten Sekunde an mit. Bester Vergleich zu Schandmaul sind wohl In Extremo, wobei Schandmaul jedoch völlig eigenständig klinge und diverse Ohrwürmer und Mitsinger im Gepäck haben. "Helden" wird den bedauernswerten Fans gewidmet, die in der Sonne gebraten werden und passend dazu gibt's eine Abkühlung mit dem Wasserschlauch verpasst. Zwischenzeitlich muss dann eine Leier neu gestimmt werden, worauf der Sänger findet, dass ..."diese alten Instrumente ja wegen irgendwas ausgestorben sein müssen!". Ausserdem haben Schandmaul einen einfachen Tanz mitgebracht, der darin besteht "... die Beine und Füsse etwa einen Meter über den Boden zu heben!", sprich Mithüpfen und Abgehen. Es macht total Spass und Laune, und erneut ist viel zu früh Schicht im Schacht.

Symphorce um Brainstorm-Sänger Andy B. Frank führen den Reigen mit knallhartem Power Metal deutscher Prägung weiter. Besonders zu gefallen weiss der Schweizer Leadgitarrist Cedric, der vor allem von den ersten Reihen (inklusive Vater) stürmisch gefeiert wird. "Seid ihr bei uns?", fragt Andy die hinterstenReihen am Hallenausgang und erhält eindeutige Reaktionen. "Sie sind alle mit uns", grinst er und weiter geht's. Symphorce haben offenbar gute Laune und stacheln sich gegenseitig an. Andy ist ein symphatischer, absolut ehrlich rüberkommender Frontmann mit absolut geiler Stimme, und was auch auffällt ist der laute Bass. Sehr sehr unterhaltsam!

Nile müssen zwar den ersten Song mit nur einer Gitarre absolvieren, da die zweite, die Leadgitarre wegen irgendwas ausfällt, aber nachher läuft alles wie am Schnürchen und die zahlreich angetanzte Menge geht voll mit.
Amerikanischer Death Metal, ganz und gar unkonventionell, mit haufenweise orientalischen Melodien (Hauptthema bei den meisten Songs ist Ägypten), abgefahrenen Breaks und Leads, dazu drei verschiedene Sänger, davon der Basser mit Oberarmen wie andere Leute Unterschenkel haben. Während dem Gig sieht man übrigens oben am Hügel eine Familie, die offenbar fassungslos das heftige Treiben und die haaresschüttelnde Meute begutachtet. Dies nur so nebenbei. Nile reissen die Leute sofort mit, und kurzzeitig gibt es vor der Bühne einen grossen Moshpit, wo jeder mal draufhauen darf. Die musikalische Leistung ist in der Tat beeindruckend und vor allem die Solos des blonden Sängers und Bassisten lassen aufhorchen. Nach einer Stunde besten und originellsten Death Metals verlassen Nile die Bühne und der blonde Gitarrist stiefelt noch im Fotograben umher und bedankt sich bei den Fans. Zum Glück kommen Nile bereits bei den X-Mas-Festivals wieder!

In der Halle kommen die deutschen Alcoholic Trash-Urgesteine Tankard auf die Bühne und lassen die Sau raus. Frontmann Gerre sieht wieder einmal umwerfend sexy aus, begrüsst die Fans mit "Ich weiss, es ist verdammt schwierig bei dieser Hitze, besonders mit einer so schlechten Band!" und hat die Meute bereits auf seiner Seite. Mehrmals präsentiert er seine bescheidene Wampe und erhält jedesmal Szenenapplaus. Da es sich in Tankards Songs sowieso meistens um Alkohol dreht, vernichtet Gerre auch eine beachtliche Menge auf der Bühne, dazu gibt' s einen mega Moshpit und durchgehende Bierduschen vor der Bühne und die Stimmung steigt sehr schnell. "Rectifier", "Empty Tankard", "Space Bier" und noch zehn weitere geile Trash-Knaller lassen die Halle erbeben, und Gerre findet "...dass bei dieser verdammten Hitze vor allem so fette Leute wie ich zu leiden haben!", bevor er Freibier für die ganze Halle fordert. Die Fans sind eh alle aus dem Häuschen und schütteln die Matten, was das Zeug hält oderwüten vor der Bühne umher. Tankard räumen jedenfalls auf ganzer Linie ab und lassen eine auf- und angeheiterte Menge zurück. Trash 'Till Death! (Fotos gibt es hier)

Die Begründer des griechischen Melodic Black Metals, Rotting Christ, muss man einfach einmal live gesehen haben. Eiskalt, voller dunkler Melodien, mit fetten, düsteren Gitarren und einem gepressten Kreischgesang wird das volle Brett geliefert. Das statische Stageacting unterstützt die Kälte, die Rotting Christ verbreiten, noch. In diesem Moment wird mir auch klar, woher Seth, Frontmann der Landsmänner Septic Flesh, die meisten seiner Posen hat. Vor allem die ersten Reihen geben alles. Grimmig, wie ein Mann, spielen Rotting Christ ihre schwarzen Hymnen und treiben diverse Fans zur Ekstase. Die älteren Songs sind noch etwas roher, die neueren mit vielen elektronischen Elementen. Die Menge lässt Rotting Christ nicht gehen, bevor sie noch eine Zugabe gespielt haben. Nach dieser gibt's tonnenweise Applaus und Beifall. Beeindruckend!

Ziemlich viele Leute verpassen anschliessend Masteplan, die neue Band der ex-Helloween-Mitglieder Roland Grapow (Gitarre) und Uli Kusch (Schlagzeug), weil sie am Autogrammstand stehen und vergeblich auf Slayer warten, denn die Herren Arya und Hanemann lassen sich nur kurz blicken und verschwinden dann wieder. Nicht gerade die feine Art. Zurück zu Masterplan. Sänger Jorn Lande ist ein absolutes Talent und beherrscht alle Facetten des melodischen Power Metal-Gesangs. Natürlich kommt vor allem das supergeile Debüt-Album zum Zug, und die Band zeigt sich super eingespielt, improvisiert mehrmals, witzelt zwischen den Songs und kommt total symphatisch und bodenständig rüber. Dummerweise fällt gerade bei der ersten Strophe des Supersongs "Kind Hearted Light" des Mikro aus, so dass man die Worte nur an Jorns Lippen ablesen kann. Beim Refrain ist das Mikrofon bereits ausgetauscht, und es geht ohne Pannen weiter. Genial auch ein Medley aus diversen Helloween-Klassikern. Alle Bandmitglieder werden vorgestellt und bekommen warmen Applaus. Roland Grapow ist einfach ein begnadeter Gitarrist und Jorn Lande die perfekte Ergänzung dazu. Die Keyboards passen perfekt zu den Songs und sind nie übergewichtig, Uli Kusch zeigt eine souveräne Leistung, und der Basser ist ebenfalls über jeden Zweifel erhaben, hat heute aber leider nicht seinen Fischgräten-Bass dabei. Kommt alles sehr geil! Masterplan sind die neue Hoffnung in Sachen deutschen melodischer Power Metal und haben mit diesem Auftritt die Basis für weitere Grosstaten gelegt! Schade nur gibt's keine Zugabe.

Slayer kommen zwar mit einer Viertelstunde Verspätung, aber dann richtig! "Disciple" und "God Send Death" vom letzten Album "God Hates Us All" machen den Anfang, ehe die Band sämtliche Klassiker spielt: "Hell Awaits", "South Of Heaven", "Seasons In The Abyss", "Angel Of Death", "Postmortem" undsoweiterundsoweiter. Tom Arya, Jeff Hanemann, Kerry King und Dave Lombardo fahren dabei einen Soundwall auf, dass die Halle unweigerlich gesprengt hätte. Aryas Gesang ist dabei ebenso geil wie die fiepigen, quietschigen und von Slayer erfundenen Gitarrensoli. Passend dazu gibt's eine dezente und effektiv eingesetzte Lightshow. Unfassbar! Das ist eine Offenbarung! Weiter vorne sieht man Mystic Circle-Gitarrist Ezpharess wild abgehen und eine Bierdose über die Menge entleerend. Kollektives Ausrasten ist angesagt! Arya bedankt sich mehrmals, nimmt das Publikum mit seiner Kamera auf. Nach 75 Minuten ist der Rausch vorbei, leider ohne Zugabe, aber das mag dieses Ereignis absolut nicht trüben.
Endgeil!!!

Zum Schluss kommt Veranstalterin Dane noch auf die Bühne, bedankt sich, und weist darauf hin, dass man vor einigen Jahren die Metal Dayz mit 50 zuschauenden Fans begonnen hatte und nicht zu träumen gewagt hätte, jemals DIE extreme Metal-Band, nämlich Slayer auf der Bühne zu haben. Kompliment dafür, es war rundum geil und super! Bis nächstes Jahr!!