Bandinfos: Bandbio Part IV

Ob die mangelnde Anerkennung wohl an den Verwüstungen gelegen hat, die sie in der deutschen Fernsehlandschaft hinterlassen haben? Gut, unfreiwillige Auftritte wie die von Hessenkaiser Buffo in der Halbzeitpause des Matchs der Eintracht bei Dnjepr Dnjepropetrowsk wollen wir hier mal beiseite lassen. Aber schon der erste Versuch ging in die Geschichte ein, weil Gerre während des Interviews vor laufender Kamera mit geschätzten 3,3 Promille einschlief.
Für den Tele5-Vorgänger Musicbox war´s der Anfang vom Ende - für TANKARD ging´s erst richtig los.

Anfang der Neunziger schafften es die Jungs als lustige Musikanten in die Frankfurter Vorabend-Krimiserie „Ein Fall für Zwei", in deren Folge „Schneewalzer" Peer Augustinski als Gegenspieler von Heavy-Anwalt Rainer Hunold einen windigen Musikmanager darstellte.

»Es gab für unseren „Auftritt" in der Music Hall bei den Dreharbeiten zwar keine Gage«, berichtet Gerre, der seinen Astralkörper zudem auch noch für eine Episode der „Lindenstraße" als Statist im Restaurant „Akropolis" über die Bildschirme wuchtete, »aber Getränke waren drin. Also haben wir gleich rumgemault, wir bräuchten dringend ein paar Drinks, sind zum Getränkemarkt um die Ecke abgedampft und kamen mit einer riesigen Karre voller Äppler und Bier wieder zurück. Der Produktionsleiter hat die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen.«

Es ist allerdings nicht bekannt, mit welchen Körperteilen der Mann wedelte, als ihm die Sonderpostenrechnung der Music Hall ins Postfach flatterte. Gerre: »Der Produktionsfirma wurde später noch ein Sack Kartoffeln in Rechnung gestellt. Den hatten wir in irgendeinem Hinterzimmer geklaut und unter uns aufgeteilt.«
Immerhin war da die Szene schon geschnitten, in der Hunold mit einem TANKARD-Cover in der Hand Augustinski fragte: „Und das Zeug hier verkauft sich gut?"
Aber sicher doch!

Nun zum Jahre 2004...und dem neuen Album "Beast of Bourbon"

Drummer Olaf Zissel hat sein zehnjähriges TANKARD-Dienstjubiläum gerade hinter sich. Gitarrist Andy Gutjahr hebt 2004 das Glas auf sein sechsjähriges. Lediglich zwei Hauptakteure blieben in der mit Highlights gespickten Toursaison 2002/2003 auf der Strecke: Die beiden heiß geliebten Birkenstock-Treter von Sänger Gerre machten sich im August letzten Jahres sang- und klanglos aus dem Staub. Der pfundige Frontmann durchwühlte nach dem gefeierten Gig auf dem Sommerfestival des Schweizer Clubs "Z7" stundenlang schier verzweifelt die gemeinsame Umkleidekabine von TANKARD und Slayer. Die hölzernen Sandaletten blieben jedoch verschwunden. Es wird vermutet, dass Schlachtfratz-Klampfer Kerry King seitdem heimlich mit Gerres Bio-Schlappen an seinen gravierenden Haltungsschäden arbeitet.

Trost gab es dennoch reichlich: Die Jubelfeierlichkeiten zum 20-jährigen Bandbestehen wurden mit allerlei bemerkenswerten Auftritten würdig begangen. Der Buchungskalender war gut gefüllt: 2002 und 2003 wiesen eine ähnliche Gig-Dichte auf wie zu besten TANKARD-Zeiten in den frühen Achtzigern. Vor ihren Shows in Griechenland und der Türkei wurden die Hotels der Hessen gar von regelrechten Fanhorden belagert - und Gerre nutzte die Gunst der Stunde, um in Athen 135 geballte Kilo Erotik per Stagedive in den tobenden Mosh-Pit zu wuchten.
Außerdem konnten die vier Frankfurter Beermetaller mit ihrem letzten Album "B-Day" deutliche Absatzsteigerungen verbuchen, die ihnen viele nicht mehr zugetraut hatten. Die elf Kracher des elften Studiowerks "Beast Of Bourbon", amtlich veredelt durch ein weiteres TANKARD-Cover von Pinsel-Star Sebastian Krüger, kommen sogar noch einen Tacken härter und aggressiver durch die Boxen geschossen als der erfolgreiche Vorgänger.