Bandinfos: Bandbio Part II

Zurück ins Jahr ´84: Bei einem legendären Happening in Sindlingen trafen drei künftige deutsche Thrash-Heldenbands auf den Abgesandten eines aufsteigenden deutschen Metal-Labels: TANKARD und die Ruhrpott-Krachmaten Sodom rumpelten planmäßig über die Bretter, während das Südbadener Folklore-Trio Destruction in voller Rambo-Ausstattung angebimmelt kam, um eine solidarische Grußbotschaft zu überbringen und als Bonustracks zwei Songs unters Volk zu schmettern.

»Manfred Schütz von SPV hatte uns zunächst ein halbes Angebot gemacht, dann aber wieder zurückgezogen, nachdem er unseren Gig gesehen hatte«, grinst Gerre. »Seine Aussage, wie seien ja „nicht schlecht" gewesen, ist bis heute eine bodenlose Unverschämtheit, denn wir waren richtig mies. Hauptgrund für seine Ablehnung war, dass Andy in einem blauen Strickpullover mit Hirschgeweihen auf der Bühne stand. Das sei für eine Metal-Band ziemlich unvorteilhaft.«

TANKARD wurden noch am selben Abend von der mit Blech und Projektilen hochgerüsteteten Milchbubi-Konkurrenz glatt auf der Standspur überholt: Sodom und Destruction setzten ihren Otto unter Knebelverträge mit dem SPV-Label Steamhammer.

Was den Jungs trotz höchst unterhaltsamer Steinzeit-Gigs und beliebter Demos wie „Heavy Metal Vanguard" und „Alcoholic Metal" also noch fehlte, war der finale Rettungsschuss in Sachen Geschäftstüchtigkeit.

Um Marketing und Merchandise kümmerte sich ab 1986 Manager Buffo Schnädelbach (Gerre: »Deutschlands lustigster Choleriker«), ein ehemaliger Banker, der seine Karriere justament wegen des gnadenlosen Krawattenzwangs bei der Commerzbank in den Wind geschossen hatte. Als „sechster Bembel" auf der Bühne taugte der Furzgasweltmeister bei seinem Debüt als Konzertorganisator im Oktober ´86 zwar wenig (»Ich durfte ´Alcohol´ singen und hab total versagt...«), aber dafür war der Frankfurter Südbahnhof ausverkauft, »es gab richtig Rambazamba, und wir hatten immerhin vier Einsatzwagen vor der Tür stehen.«

Zu diesem Zeitpunkt hatten unsere Helden bereits den heiß ersehnten Plattenvertrag in der Tasche und ihr Debüt "Zombie Attack" in den Läden stehen. Karl-Ulrich Walterbach, Inhaber des Indie-Labels Noise Records aus Berlin, entpuppte sich schnell als Sparbrötchen der altbackensten Sorte, der die Kapelle in späteren Jahren mit allerlei Gimmicks erheiterte. Unter anderem wollte er die Herren während eines Studioaufenthalts bei der Mitwohnzentrale unterbringen, was die Gegenfrage provozierte, ob sie denn dann auch mit der Mitfahrzentrale anreisen dürften...

Aber Kohle hin, Möpse her: „Zahlterschwach" sah Mitte der Achtziger in dem bunten Frankfurter Haufen Potenzial - und behielt Recht. Denn die Kombination aus Schnapsfass-Witz, politisch motivierter ironischer Spitzen und schrattelndem Geballer plus der Bühnenpräsenz von Frontkasper Gerre kam beim Metal-Volk bestens an. Oder wie der „Stern" 1988 in einem größeren Feature über die „Subkultur Heavy Metal" schrieb: „Ihre Musik klingt, als würde ein vollbeladener Zug mit Bierkrügen entgleisen."


Selbst die Hartkeks-Prominenz von Metallica lachte sich eines Nachts bei einer gemeinsamen Kneipentour durch Mainhattan schlapp, als die Herren Hetfield („Hey, ihr klingt ja wie ´ne Mischung aus Tank und Discharge!") und Ulrich TANKARD-Konzertplakate mit dem Motto „At War With Breakdancers" entdeckten. Venom dürften sich über die Abwandlung ihres Albumtitels „At War With Satan" ebenfalls gefreut haben...

TANKARD überließen die bierernsten Gefechte zwischen „Posern" und „Thrashern" von Anfang an den Spießerseelen der Metalszene. Direkt nach ihrer Abiprüfung dampften sie nach Berlin zu den Aufnahmesessions ihres Vinyl-Debüts „Zombie Attack" und überlebten kräftezehrende Strapazen wie explodierende Campingkocher, dreimal täglich lauwarme Ravioli aus der Dose, ausgesoffene Familiensparflaschen Rasierwasser, zusammenbrechende Bettgestelle, hysterische Zimmermädchen und den prompten Rausschmiss aus ihrem leicht demolierten Lieblingshotel.