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Bandhistory  aus dem  Magazin "Heavy" (Autor: Peter Engelking)


| Buffo-(Manager)-Interview | Prominenz über Tankard |

Manche Bands rennen unter dem Deckmäntelchen der Weiterentwicklung jedem angesagten Trend hinterher, manche Bands werden mit zunehmendem Alter immer softer beziehungsweise angepaßter und wieder andere Bands ziehen ihr Ding unbeirrt von allen Geschehnissen um sie herum durch. Und genau zu dieser letzten Spezies Musiker gehören auch die Frankfurter Thrash-Veteranen von TANKARD, die seit nunmehr einem viertel Jahrhundert die Metal-Szene unsicher machen und sich dabei nie um kommerzielle Aspekte geschert haben. Fun, Bier und jede Menge Krach waren und sind nach wie vor die elementaren Bausteine der Band-Philosophie beziehungsweise des Band-Sounds, und mit dieser Mischung fahren Andreas „Gerre“ Geremia und Co. sehr gut!
Zum 25-jährigen Bandjubiläum veröffentlicht das Quartett dieser Tage nun mit ‘Best Case Scenario - 25 Years In Beer’ ein ganz besonderes Best-Of-Album, das zum einen neu eingespielte Bandklassiker enthält, und zum anderen von befreundeten Formationen wie etwa SACRED STEEL, PARAGON oder ABANDONED dargebotene Interpretationen einiger TANKARD-Songs. Klasse Sache, die die Festlichkeiten zum Wiegenfest perfekt abrundet.
Wir ließen uns diesbezüglich natürlich auch nicht lumpen und beschritten den bisherigen Weg der Formation auszugsweise noch einmal mit den beiden verbliebenen Gründungsmitgliedern Gerre und Frank Thorwarth (b). Daß es dabei nicht immer, ähem, bierernst zuging, bedarf hier wohl keiner besonderen Erwähnung mehr. Also: Laßt euch nieder, genehmigt euch die eine oder andere Gerstenkaltschale und schmunzelt mit uns über so manchen Schwank aus dem Leben der hessischen Krawallbrüder.


Schulfreundschaften
Die Geschichte der Band beginnt eigentlich bereits im Kindesalter sämtlicher (anfangs) Beteiligten. Denn wie früher üblich, fanden Musikinteressierte noch unter normalen Umständen beziehungsweise in alltäglichen Lebenssituationen zueinander und wurden nicht von windigen Marketingmenschen zusammengecastet, wie das heutzutage immer öfter der Fall ist. „Gerre und ich kennen uns bereits seit dem Tag unserer Einschulung“, holt Bassist Frank Thorwarth, das neben Gerre einzig verbliebene Ur-Mitglied im TANKARD-Konglomerat, aus. „Unsere „Grundschul-Beziehung“ war dabei irgendwie nichts Außergewöhnliches. Es gab Zeiten, in denen wir uns prächtig verstanden haben, und es gab Zeiten, in denen wir uns gegenseitig aufs Maul gehauen haben - Kids eben.“ „Als wir in die zweiten Klasse kamen, hätte uns das Schicksal aber fast einen Strich durch die Rechnung gemacht“, schaltet sich Szene-Original Gerre ein. „Meine Mutter kam auf das schmale Brett, nach Nied, also in einen anderen Stadtteil von Frankfurt zu ziehen, was natürlich zur Folge hatte, daß ich auch die Schule wechseln mußte. Allerdings fand ich die Penne richtig scheiße und hab dort jeden Tag Rotz und Wasser geflennt, so daß meine Mutter irgendwann genug von dem Spektakel hatte, in meiner alten Schule auflief und mit dem dortigen Rektor aushandelte, daß ich - trotz anderer Wohngegend - wieder zurück an meine „alte Wirkungsstätte“ kommen durfte. Was ein Gefühl das war! All die gewohnten Nasen waren auf einmal wieder da und mir ging es mit einem Schlag wieder gut! So gesehen ist meine Mutter sogar Schuld daran, daß TANKARD überhaupt entstanden sind. Hätte sie damals darauf bestanden, daß ich in Nied zur Schule gehe, hätte ich Frank und meine anderen zukünftigen Mitstreiter wohl nie mehr zu Gesicht bekommen.“ Das nennt man wohl eine „glückliche Fügung des Schicksals“. Denn nach ein paar weiteren gemeinsamen Jahren fand sich auf dem Frankfurter Goethe Gymnasium die erste Bandbesetzung, zu der neben Frank auch Axel Katzmann, Oliver Werner sowie Bernhard Rapprich gehörten.


Aufbruchsstimmung

Bis es zur finalen Bandgründung kam, mußte allerdings noch eine ganze Menge Wasser den Main hinunterfließen. Der Weg hin zu diesem „konspirativen Zusammenschluß kopfschüttelnder Jugendlicher“ war noch ein sehr weiter und steiniger, denn in den späten Siebziger Jahren regierten auch in den hessischen Schulen vornehmlich Musikgeschmäcker die Köpfe der Kiddies, die sich Härtegrad-technisch zwischen ABBA und den BAY CITY ROLLERS oder SMOKIE abspielten. „Ich kann mich noch gut daran erinnern“, holt Frank aus, „wie wir seinerzeit eine Klassenfahrt in den Odenwald unternommen haben und Gerre und ich uns ständig auf meinem miesen kleinen Mono-Kassettenrecorder ein Tape anhörten, das er kurze Zeit zuvor beim amerikanischen Radiosender AFN mitgeschnitten hatte, und auf dem sich auch ein Song Namens ‘Riff Raff’ befand. Wir hatten zwar keine Ahnung, um welche Band es sich dabei handelte, aber der Sound hatte es uns angetan! Unsere Mitschüler erklärten uns für verrückt, weil wir uns so ein Zeug anhörten, aber das war uns ehrlich gesagt scheißegal!“ Der Zufall wollte es dann auch, daß die beiden Jungspunde nur ein paar Tage nach der besagten Klassenfahrt erneut auf das Lied stießen und plötzlich wußten, wer hinter der Geschichte steckte. „Ich war mal wieder mit meiner Mutter in der Stadt zum Einkaufen unterwegs, als ich in einem Laden eine Platte mit einem absolut abgefahrenen Cover in die Finger bekam - ‘If You Want Blood, You’ve Got It’“, schwelgt Meister Thorwarth in Erinnerungen.
„Die Scheibe hat uns dann auch endgültig infiziert“, schiebt Gerre nach. „SMOKIE waren abgehakt, stattdessen regierte die gerade aufkommende New Wave Of British Heavy Metal unsere Kinderzimmer, hahaha.“ Logisch, daß sich diese Begeisterung, dieser Enthusiasmus für das Neugefundene, nicht nur in den elterlichen vier Wänden abspielte. Auch die ersten Konzerte wurden von den jungen Frankfurtern besucht. Während sich Gerre noch relativ gesittet als 14-jähriger zu seiner „livehaftigen Entjungferung“ ins „Feindesgebiet“, nämlich die Offenbacher Stadthalle wagte, um sich SAXON zusammen mit den Holländern PICTURE reinzupfeifen, blieb Frank den heimischen Gefilden treu. „Ich weiß nicht mehr genau, ob das jetzt 1979 oder 1980 war, aber das spielt im Endeffekt auch keine Rolle. KISS spielten damals jedenfalls mit IRON MAIDEN als Vorgruppe auf dem Rebstock-Gelände bei uns um die Ecke und da mußte ich natürlich hin. Zu meinem Glück arbeitete ein Cousin von mir bei dem Konzert als Ordner, so daß er mir eine Karte für lau besorgen konnte - so weit, so gut. Allerdings hat er dieses Ticket meiner Tante gegeben, die sie mir mitbringen sollte, aber die gute Frau hatte natürlich nichts Besseres zu tun, als die Hose, in der sie das Ding verstaut hatte, zu waschen. Ganz klar, daß die Eintrittskarte danach nur noch in Bruchstücken vorhanden war und der kleine Herr Thorwarth etwas betröppelt aus der Wäsche geguckt hat, hahaha. Aber dickköpfig wie ich nun einmal war, wollte ich mir den Spaß natürlich nicht verderben lassen, ging am Tag X zu dem Konzert und sorgte am Eingang erst einmal für Mordsaufruhr. Die Security war vom Anblick der Kartenreste verständlicherweise nicht sehr angetan und wollte mich auch zuerst abwimmeln, aber irgendwann hatten die Herrschaften doch noch ein Einsehen und ließen mich aufs Gelände. Danach nahm das Unheil dann erst richtig seinen Lauf, hahaha.“


Kellerasseln
1982 war ein Jahr, in dem viele Weichen gestellt wurden. Branko Zebec, der viel gescholtene Fußball-Trainer mit Hang zum Alkohol, wurde am 19. September als Nachfolger des österreichischen Eintracht Frankfurt-Coachs Helmut Senekowitsch präsentiert, am 1. Oktober mußte Helmut Schmidt aufgrund eines Mißtrauensvotums seinen Bundeskanzlerposten an Helmut Kohl abtreten und Axel Katzmann sowie Bernhard Rapprich hatten bei ein und demselben Gitarrenlehrer Unterricht - was ihren Mitmenschen bald schon zum „Verhängnis“ werden sollte. Bei dieser Gelegenheit beschlossen die beiden Nachwuchs-Saitenquäler nämlich ziemlich rasch, daß sie zukünftige musikalische Aktivitäten gerne zusammen angehen würden und luden kurzerhand die Herren Werner und Thorwarth zur ersten gemeinsamen Probe im Haus von Axels Eltern ein. „Ich hatte damals sogar noch den Posten des Sängers inne“, erinnert sich Frank mit einem fetten Schmunzeln im Gesicht. „Obwohl man das, was ich fabriziert habe, nicht wirklich als „Singen“ titulieren konnte, hahaha.“ Was wohl eine sehr realistische Einschätzung der damaligen Situation ist, denn kurz nachdem der trommelnde Klassenkamerad Oliver „O.W.“ Werner zu dem Trio gestoßen war, wurde auch Herr Geremia angeworben - allerdings ursprünglich unter anderen Vorzeichen. „Gerre sollte eigentlich den Bassisten-Part in unserer Band übernehmen, denn der Posten war ja noch zu vergeben, und Gerre nun einmal unser bester Kumpel“, erzählt Frank. „Ich hatte von dem Instrument natürlich keinen blassen Schimmer, so daß ich zwangsläufig Unterricht nehmen mußte“, resümiert der seinerzeit „Eingespannte“. „Allerdings hatte ich keinen Bock, die Sache alleine anzugehen und so habe ich Frank zur Mittäterschaft „verdonnert“, was im Nachhinein betrachtet eine weiße Entscheidung von mir war. Denn schon nach ein paar Unterrichtsstunden hat sich herauskristallisiert, daß Frank in dieser Richtung viel begabter war als ich.“ „Ich war da wirklich mit wachsender Begeisterung dabei, habe mir an manchen Tagen regelrecht die Finger blutig gespielt und danach die besagten Stellen mit Superkleber „abgedichtet“, um weiterspielen zu können“, weiß der am Bass „kleben gebliebene“ Musiker zu berichten. „Die nötige Hornhaut hatte sich damals einfach noch nicht gebildet, so daß solche Maßnahmen für einen Besessenen wie mich schlicht und ergreifend notwendig waren.“ Die Tatsache, daß Frank fortan dem Baß in der noch namenlosen Schülercombo bedienen sollte, öffnete jedoch auch Gerre neue Chancen bei dem Haufen, übernahm er doch zu diesem Zeitpunkt die Rolle des singenden Frontmanns. „Als wir neulich die Best Of-CD geplant haben, habe ich mich auch auf die Suche nach unserem allerersten Song gemacht, der noch irgendwo bei mir zuhause auf einem Tape herumfliegen muß und bin dabei auf einige „Schätze“ aus den Anfangstagen gestoßen“, kann Gerre sich einen Lacher nicht verkneifen. „Was für ein Krach und vor allem: was für eine Schreierei am Mikro. Klassiker hören sich wahrhaftig anders an, hahaha.“ Den besagten ersten Song, der übrigens ‘Ray Death’ hieß und laut Gerre „wie alle Songs damals vom Atomkrieg beziehungsweise dem damit verbundenen Strahlentod handelte“, haben Frank und Axel Katzmann kurz nach seiner Kreation voller Stolz auch dem ehemaligen Gitarren-Lehrer vorgespielt, der das Stück mit dem Kommentar „Jetzt bin ich aber doch ziemlich enttäuscht“ aburteilte. Die beiden trugen es mit Fassung und gingen ihren Weg unbeirrt weiter.


Kirchgänger
Ostern 1982 gilt heute als das offizielle Gründungsdatum von TANKARD, weil „ich bei dieser Gelegenheit meinen ersten eigenen Verstärker bekam und die Sache somit ernst wurde“, lacht Frank. Als Proberaum guckte sich die Band dann auch ziemlich schnell neue Räumlichkeiten aus, die jedoch ausgerechnet im Heizungskeller der Frankfurter Matthäus-Kirche lagen. „Ich weiß gar nicht mehr, wer das damals eingefädelt hat“, grübelt Gerre, „aber das dürfte wohl auf die Rechnung von Axel Katzmann gegangen sein, der schräg gegenüber wohnte. Egal, der noch recht junge Pfarrer hatte jedenfalls nicht dagegen, daß wir in seinen heiligen Katakomben lärmten.“ Recht obskur war die Angelegenheit dennoch, denn selbst Oliver Werners Schlagzeug mußte jedes Mal auf- und abgebaut werden und so manchen hausinternen Kellereinschluss gab es auch zu verbuchen. „Es passierte hin und wieder schon mal, daß die Kirchenjungs uns da unten vergessen und die Hütte abgesperrt haben. Dann mußten wir eben durch die Fenster eines direkt angeschlossenen Kindergartens nach draußen klettern. Aber damals waren wir ja noch jung und gelenkig, hahaha.“ Bei diesen regelmäßigen Besuchen im Proberaum entstanden auch die ersten eigenen Songs (Gerre: „Coverversionen kamen damals nicht in Frage für uns!“), die ab und zu neugierigen Schulfreunden vorgespielt wurden, die jedoch noch keine Begeisterungsstürme hervorrufen konnten. „Gerade ‘Ray Death’ war wirklich scheiße“, klopft sich Herr Geremia rückblickend auf die Schenkel. „Das war so ein typisch BLACK SABBATH-beeinflußtes Stück, das viel zu langsam war, aber irgendwie waren wir trotzdem stolz wie Nachbars Lumpi, endlich eigenes Material vorweisen zu können.“ Dennoch machten sich schon in der frühen Phase die ersten Abnutzungserscheinungen bemerkbar im Hause TANKARD, verließ Gründungsmitglied Bernhard Rapprich die Band doch schon bevor es richtig losging. „Der Bernie kam recht selten zu den Proben, was uns schon reichlich suspekt war“, versucht Frank die damaligen Geschehnisse zu rekonstruieren. „Er hatte dann immer irgendwelche obskure Ausreden am Start, aber ich denke mal, daß das vor allem an seinem alten Herrn lag, der ein ziemlicher Spießer war und der nie damit zurecht kam, daß sein Sohn mit solchen Asseln wie uns abhing. Der hatte ihm sogar zur Auflage gemacht, daß er nur E-Gitarren-Unterricht nehmen dürfte, wenn er gleichzeitig auch lernt, auf einer Oboe zu spielen, hahaha. Na ja, die Sache hatte sich dann auf jeden Fall für ihn erledigt und wir mußten uns nach einem neuen Mitstreiter umsehen.“
Die Suche nach einem neuen Gitarristen verlief dabei gar nicht mal so schwer, wie man sich das vielleicht vorstellen könnte. Denn mit dem ein Jahr älteren Andy Bulgaropulos war schnell ein Gleichgesinnter ausgemacht, der Rapprichs Posten übernehmen konnte. „Andy war ein Jahr älter und ging dementsprechend in eine höhere Klasse als wir“, blickt Bassist Frank zurück. „Zuerst hatten wir deshalb Bammel ihn anzusprechen, aber irgendwann nahmen wir uns ein Herz, sprachen ihn auf sein AC/DC-Shirt an und luden ihn zu einer gemeinsamen Probe ein.“ Wie mittlerweile bekannt ist, ließ sich Bulgaropulos darauf ein, folgte dem Ruf der Chaoten-Truppe in den Proberaum und schon war die Mannschaft wieder komplett!


Live-Premiere
Mit dem runderneuerten Line-up gaben die Jungs Gas, probten was das Zeug hielt und wollten am 28. Mai 1983 endlich Bühnenluft schnuppern. Im Rahmen eines Schulfestes sollte es zur öffentlich-musikalischen Entjungferung der fünf lustigen Thrasher kommen, doch im Gegensatz zu den massentauglichen RODGAU MONOTONES durften Gerre und Co. nicht in der Aula der Penne lärmen, sondern mußten sich mit dem eigenen Klassenraum zufrieden geben, wie der Schreihals erzählt. „Ich habe zu der Zeit selbst noch aktiv Fußball gespielt und an dem besagten Tag unseres ersten Auftritts, hatten wir vormittags ein Turnier, in dessen Verlauf ich im Elfmeter-Schießen kläglich versagt und den Ball übers Tor gejagt habe - was für ein mieser Auftakt. Aber der eigentliche Gig sollte dann schon besser werden. Wir haben uns Bier in Milch-Tüten umgefüllt und schön unser Programm heruntergeschreddert, hahaha. Ein paar unserer Mitschüler haben das Feld ziemlich rasch geräumt, aber es gab auch einige, die sich das Spektakel bis zum Schluß gegeben haben. Wir mußten gegen Ende hin sogar vier bereits gespielte Stücke noch einmal bringen, weil wir einfach noch nicht genügend Material zusammen hatten.“ Dieser solide Live-Grundstein sollte allerdings bereits beim nächsten Konzert schon wieder erschüttert werden, führte bei dieser Gelegenheit doch sogar ein Mißverständnis zum Verlust des Proberaumes. „Wir hatten mittlerweile unser erstes Demo ‘Heavy Metal Vanguard’ im Proberaum eingesemmelt, auf dem bekanntlich auch der ein oder andere Song gegen, hüstel, „Metal-feindliche Gruppierungen wie Breakdancer, Popper, etc.“ enthalten war“, schwelgt Gerre in Erinnerungen. „Bei unserem zweiten Auftritt Anfang März 1984, der praktisch ein Karnevals-mäßiges Heimspiel in der Matthäus-Gemeinde war, kam es zu einem kleinen Eklat, als die Kirchenvertreter unseren Spruch „alle Poppers müssen den Saal verlassen“ mißverstanden und anstelle der Poppers „Papas“ setzten, hahaha. Darüber konnten die Herrschaften gar nicht lachen und kündigten uns sowohl die Freundschaft als auch den Proberaum im Keller der Kirche.“ Dumm gelaufen, aber wie der spätere Eintracht Frankfurt-Trainer Dragoslav Stepanovic zu sagen pflegte: Lebbe geht weiter!
Bei TANKARD standen in naher Zukunft neben einigen Konzerten (unter anderem am 23.September 1984 mit SODOM und DESTRUCTION in Frankfurt-Sindlingen) vor allem die Aufnahmen zum zweiten Demo auf dem Programm. Wesentlich besser produziert als ‘Heavy Metal Vanguard’ machte bereits der Titel des Teils klar, um was es sich bei den Hessen in den nächsten Jahren drehen sollte: ‘Alcoholic Metal’! „Damals hat doch jeder seine eigene Metal-Sparte erfunden“, meint Gerre dazu. „Thematisch haben sich die Lieder zu der Zeit noch gar nicht so viel mit dem Suff beschäftigt, aber der Titel gefiel uns einfach so gut, daß er schließlich Programm wurde, hahaha.“ Zudem machte die in unendlicher Heimarbeit selbst kopierte Kassette zum ersten Mal weitreichender auf die Truppe aufmerksam. Die ersten wohlwollenden Reviews erschienen und Gerre, dessen Adresse in diesen Demo-Besprechungen abgedruckt war, konnte sich vor Post-Gängen gar nicht mehr retten. „Das Tape haben wir seinerzeit auch richtig zelebriert“, lacht Frank. „Als das Ding endlich fertig war, haben wir uns beim Plus-Markt einen Einkaufwagen geschnappt, das Teil mit Dosenbier voll gemacht und uns in die Taunusanlage mitten in Frankfurt gesetzt und unser Demo mit voller Lautstärke aus dem Ghettoblaster rauschen lassen. Der Park war damals noch weit von seinem heutigen Drogenruf entfernt und da hat das noch richtig Spaß gemacht.“


Vertragsabschluß
Das zweite Demo sorgte nicht nur bei den einschlägigen Magazinen und den Fans für Aufsehen, sondern rief auch die ersten Plattenfirmen auf den Plan. Neben einigen Absagen, hatten TANKARD nämlich bald auch einen Brief des Berliner Noise-Labels im Briefkasten, in dem die zuständigen Menschen laut Gerre „irgendwas von einer authentischen Speed Metal-Combo faselten. Ich traf Karl Walterbach, den Chef der Firma, dann kurze Zeit später bei einem Konzert von MÖTLEY CRÜE und RUNNING WILD in der Offenbacher Stadthalle und da hat der Gute mir erst einmal Feuer gegeben, weil meine Harre für einen Metal-Musiker nicht lang genug seien, hahaha. Richtig abgeschreckt scheint ihn mein Erscheinungsbild dabei allerdings nicht zu haben, denn ohne großartige weiteren Verhandlungen hatten wir ein paar Tage später einen Vertrag der Firma in der Post. Das Ding haben wir dann standesgemäß in eine Kneipe im Frankfurter Bahnhofsviertel geschleppt und nach einigen Bierchen einfach unterschrieben. Verstanden haben wir ohnehin nichts von dem, was da geschrieben stand, aber letztendlich ging ja alles gut“, klopft sich der Frontmann unter schallenden Gelächter auf den Oberschenkel. Die Company wollte dann auch direkt Futter bei die Fische tun und TANKARD im April 1986 ins Studio nach Berlin schicken, aber da Frank, Axel und O.W. zu diesem Zeitpunkt noch mit ihrem Abitur beschäftigt waren, verschob sich die Sache auf die Sommermonate. „Direkt einen Tag nach der Abi-Fete ging es los nach Berlin zu Harris Johns ins Studio, um unser Debüt ‘Zombie Attack’ einzuspielen“, schmunzelt Frank. „Und diesen Aufenthalt hat glaube ich keiner der Beteiligten bis zum heutigen Tag vergessen. Für uns Kiddies war das Ganze eher wie eine Klassenfahrt, auf der wir uns richtig daneben benommen haben, hahaha. Das erste Mal weg vom behüteten Elternhaus und richtig die Sau raus lassen - dumme Buben auf Wahnsinns-Tour könnte man sagen! Die Zimmer der Pension in der wir während den Aufnahmen gehaust haben, wurden jedenfalls völlig platt gemacht, die Betten in Schränke gesmashed, die Lampen mit Dosenbier von der Decke geholt, Ravioli auf der Bude gekocht und die Reste untern Teppich gekippt. Asozial ist für unser damaliges Benehmen eigentlich gar kein Ausdruck mehr. Der Höhepunkt war erreicht, als wir irgendwann abends mal die Fassade hochgeturnt sind, weil O.W. bereits mitsamt dem Zimmerschlüssel zuhause war und diese Spelunke weder eine Klingel noch einen Nachtportier hatte. Als ich dann oben angekommen war, das Fenster aufstoßen wollte, hat der Typ, dem der Laden gehörte, mit der Gasknarre auf mich geschossen. Der war gar nicht begeistert von uns und irgendwann hat er uns dann auch rausgeschmissen. Seitdem durften auch keine Noise-Bands mehr bei ihm einchecken, hahaha.“ Wie dem auch sei, der Trubel hatte sich gelohnt, denn schließlich fanden sich mit ‘Mercenary’, dem Titelsong, ‘(Empty) Tankard’ oder ‘Poison’ einige der ersten Band-Perlen auf der Scheibe wieder, die bis heute zum Live-Programm der Band gehören und nach wie vor für fantastische Stimmung sorgen. Als die Scheibe schlußendlich veröffentlicht wurde, mehrten sich logischerweise auch die anfallenden Arbeiten abseits der Bühne, sprich Merchandise- und diverse andere Business-Angelegenheit, so daß die Band kurzerhand Gerres Stadion-Bekanntschaft Buffo Schnädelbach zum Manager erhoben, der seinen Amtsantritt bei einem Konzert am 25.Oktober 1986 im Frankfurter Südbahnhof feierte. „Der Auftritt ist mir noch sehr gut in Erinnerung“, denkt Herr Thorwarth zurück, „allerdings nicht nur aufgrund des besagten Einstandes von Buffo, sondern auch weil wir zu diesem Zeitpunkt zum ersten Mal mit DEATHROW in Berührung kamen, mit denen wir in den folgenden Jahren noch des Öfteren Touren sollten. Wir kannten die Herrschaften wie gesagt noch nicht vor diesem Tag, waren aber total angetan von einem der mutmaßlichen Musiker, der sich schon mittags literweise Wodka in den Hals leerte. Axel Katzmann und ich konnten einfach nicht glauben, daß die Typen mehr schlucken als wir und so sind wir ans nächstbeste Kiosk, haben uns ebenfalls eine Pulle Kartoffelschnaps geholt und das Ding vernichtet. Später stellte sich heraus, daß der relevante Typ nur ein mit angereister Bandkumpel war. Wir standen mit verdammt langen Gesichtern und rotzbesoffen auf der Bühne, hahaha.“


Durchbruch
Für ein Debüt verkaufte sich ‘Zombie Attack’ ganz annehmbar, dennoch wollten die Frankfurter in der Folgezeit natürlich verstärkt Gas geben, um ein erfolgreicher Teil der in voller Blüte stehenden Thrash Metal-Bewegung zu werden. Also legte man für das zweite Werk ‘Chemical Invasion’ noch ein paar Briketts nach, komponierte erstklassige Songs wie ‘Tantrum’, ‘Don’t Panic’ oder eben ‘Chemical Invasion’ und ging auch beim Drumherum in die Vollen. „Schon vor den eigentlichen Aufnahmen zur zweiten Platte gab es in Berlin mächtige verbale Gefechte zwischen Buffo und Karl Walterbach, weil unser Manager einfach der Ansicht war, daß da Promotion-mäßig viel mehr laufen müßte für TANKARD. Das schaukelte sich dermaßen hoch, daß Walterbach irgendwann herumschrie, er werde dafür sorgen, daß Buffo nicht mehr fürs Rock Hard schreiben dürfe, hahaha. Die zwei Streithähne!“ Anyway, es kam auf jeden Fall Bewegung in das ganze Unternehmen. Angestachelt vom genialen ‘Mad Butcher’-Coverartwork der Kollegen DESTRUCTION, sicherten sich auch TANKARD die Dienste des grandiosen Zeichners Sebastian Krüger und ließen sich von ihm ein Gemälde maßschneidern, das zum ersten Mal die Vorliebe der Band für reinheitsgebottreue Gerstenkaltschalen manifestierte - fight for your right to drink pure beer! Bei den Anhängern kam die Mischung aus knallharten Thrash Riffs, punkiger Kompromißlosigkeit und den kultigen Lyrics prima an. Die Scheibe wanderte rund 35.000-mal über die Ladentheke und auch die auf die Veröffentlichung folgende Tour mit DEATHROW im Frühjahr 1988 wurde zu einem regelrechten Triumphzug. „Bei den Konzerten handelte es sich ja um unsere erste richtige Tour und wir waren völligst geplättet von dem was da abging“, begibt sich Gerre auf Zeitreise. „Als beispielsweise in der Bochumer Zeche 1000 oder 1200 Leute aufliefen, fielen wir echt aus allen Wolken - das war der Hammer und mit Abstand die erfolgreichste Tournee, die wir jemals gemacht haben.“ Eine klasse Erfahrung für die Bandmitglieder, die damals bis auf Andy Bulgaropulos allesamt in Ausbildungen beziehungsweise im Ableisten des Zivildienstes verstrickt waren, allerdings eine weniger berauschende für den Busfahrer, der mit dem Zinnober, den seine Fahrgäste veranstalteten, gar nicht zu recht kam. Eine Party folgte der anderen und die erste Tour im Nightliner wurde ausgiebig genossen, so daß der genervte Mann am Steuer schon nach ein paar Dates seinen Job kündigen wollte. Wehe, wenn sie losgelassen…


Nachgelegt
Die euphorische und erfolgreiche Zeit sollte nach der besagten Tour natürlich nicht einfach so verpuffen und so schickten Noise TANKARD direkt wieder ans Werk. Genügend Zeit zum kreieren der neuen Stücke hatten die Musiker jetzt auch, denn mit dem sich einstellenden Erfolg entledigten sie sich ihrer regulären Jobs, schrieben sich an der Uni ein oder hielten, so wie Frank Thorwarth, die Füße erst einmal komplett still. „An dem Tag, als ich meine Gesellenprüfung zum Autoschlosser in der Tasche hatte, kündigte ich in dem Laden und ließ es mir das ganze Jahr 1988 einfach nur gut gehen“, erinnert sich der „Herr der Viersaitigen“. „Rückblickend kann ich heute gar nicht mehr glauben, was wir damals getrieben haben. Weder Kranken- noch Sozialversichert lebten wir in den Tag hinein ohne nachzudenken, was passieren könnte. Ich wohnte zu dem Zeitpunkt noch bei meiner Mutter und habe jeden Monat gut und gerne 1.500 Mark in die Kneipe getragen, hahaha. Unglaublich!“ „Und wehe es hat jemand vor vier Uhr nachmittags gewagt Frank zu wecken“, führt Gerre die Geschichte weiter aus. „Da konnte er gar nicht drüber lachen…“
Nichtsdestotrotz hatte die Band bis zum Spätsommer genügend Material zusammen, um erneut im Berliner Musiclab Studio einzufallen und unter der Leitung von Harris Johns die nächste Langrille ‘The Morning After’ einzutüten. Das gelungene Teil setzte die bekannte Linie fort, kredenzte der Anhängerschaft mit dem Titeltrack, ‘MonCheri’, dem SPERMBIRDS-Cover ‘Try Again’ oder ‘Shit-Faced’ (welches den erwähnten Aufenthalt in dem Berliner Hotel während den Aufnahmen zum Debüt-Album thematisierte) einige wunderbare Hymnen und konnte verkaufspolitisch nicht weniger punkten als der schmucke Vorgänger. Da Axel Katzmann zum Zeitpunkt der Veröffentlichung von ‘The Morning After’ noch in seine Ausbildung verstrickt war, spielte man nur einige handverlesene Gigs und verschob die richtige Tournee auf Anfang ’89. „Ende 1988 haben wir zwar nur noch wenige Konzerte gespielt, dafür waren die dann umso kultiger“, lacht Gerre. „Wir fuhren beispielsweise ein 4-Tage-Spektakel zusammen mit den DIMPLE MINDS, VENDETTA und HELSTAR, was richtig klasse war. Zu der nächsten richtigen Tour, die wieder einmal mit DEATHROW im Schlepptau im März und April 1989 stattfand, veröffentlichte unsere Plattenfirma dann die ‘Alien’-EP, die praktisch in einem Zug mit ‘The Morning After’ entstand und die neben vier eigenen Songs eine Coverversion von ROSE TATTOOS ‘Remedy’ enthielt.“


Trommlertausch

Die besagte ‘Alien’-EP beziehungsweise die zeitgleich erschienene und ursprüngliche nur für den englischen Markt konzipierte Best Of-Scheibe ‘Hair Of The Dog’ stellten so etwas wie den Schlußpunkt unter der Zusammenarbeit zwischen O.W. und dem Rest des TANKRAD-Haufens dar, verließ der Schlagzeuger die Band doch Anfang ’89 und wurde von Arnulf Tunn ersetzt. „Ich denke mal, daß Oliver Werner schlicht und ergreifend die Schnauze von unserem Benehmen voll hatte“, grinst Mikrowürger Gerre. „Dem Guten war das irgendwann wohl zu unprofessionell und zu „feucht“, hahaha.“ „Rückblickend wundert es mich sowieso, daß es O.W. und vor allem auch Andy es so lange mit uns ausgehalten haben“, fügt Frank hinzu. „Die beiden haben auch mal zwei, drei Bier getrunken, aber dann war’s auch gut. Gerre ging zu der Zeit auch noch, aber der Katzmann und ich sind ja regelmäßig völlig abgedreht und es war ganz bestimmt nicht leicht, sich diese „Tragödien“ immer und immer wieder zu geben, hahaha. Von daher: Hut ab!“ Den allerletzten Gig mit O.W. absolvierte die Band damals übrigens am 20. Januar 1989 in Kleinheubach bei Miltenberg. Ein Event, das auch mal wieder in die Geschichte einging, schlief der trinkfreudige Herr Thorwarth hier doch einfach mal kurzfristig auf der Bühne ein. „Ich kann mich noch erinnern“, so der Beschuldigte, „daß es an dem relevanten Tag helles Bock-Bier aus Bechern zu trinken gab. Das Zeug hat mich tierisch umgehauen, so daß ich irgendwann vor dem eigentlichen Gig auf die Bühne gewankt bin, ‘Biene Maja’ ins Mikro gesungen hab und irgendwann einfach zusammengebrochen bin. Unser Roadie Jan hat mir dann noch den Baß umgeschnallt und mich immer wieder aufgerichtet, wenn die Erdanziehung zu groß wurde, hahaha. Das war zuviel des Guten!“
Für O.W. auf jeden Fall, so daß die Zeit für seinen Nachfolger gekommen war. Der bereits erwähnte Herr Tunn war in der hart-metallischen Musikszene im Rhein-Main-Gebiet damals kein Unbekannter mehr, spielte er doch in diverse mittelprächtigen Kapellen, die jedoch nie zu überregionalem Ruhm gelangten. Seinen TANKARD-Einstand gab er dann bei der Konzertreise im Frühjahr ’89, die die Formation auch nach Holland, Belgien und England führte und die in legendären Konzerten in der damals (zumindest auf dem Papier) noch existenten DDR mündete. „Gleich zu Beginn des Jahres 1990 spielten wir an zwei Abenden zusammen mit MOSHQUITO in Aue, bevor es am 4. März richtig groß wurde und wir beim „Thrashing East“-Festival in Ost-Berlin vor rund 7.000 Fans auf die Bühne klettern durften. Klasse Erfahrung vor diesen Metal-hungrigen Leuten zu spielen, die ja bekanntlich auch auf dem ‘Thrashing East’-VHS-Tape festgehalten wurde.“ Mit diesen tollen Erlebnissen und Erfahrungen ging es auch in der folgenden Zeit weiter für TANKARD. Die Band spielte am 2. Juni 1990 als Co-Headliner beim Rock Hard-Festival in Lichtenfels auf und produzierte mit ‘The Meaning Of Life’ im selben Jahr eines der besten Alben in der Bandhistory. Darauf enthaltene Songs wie ‘Open All Night’, ‘Dancing On Our Grave’ und natürlich ‘Space Beer’ waren (und sind noch immer) Hymnen allererster Güteklasse, die das Quintett noch ein ganzes Stück voran gebracht haben. Doch dann kamen die Neunziger Jahre erst so richtig ins Rollen…


Dürreperiode
Das anstehende Jahrzehnt war für Metal-Acts nicht wirklich der Knaller, das ist bekannt. Und dementsprechend begann auch für die Frankfurter Thrasher TANKARD eine Zeit, die die Band eher wieder einige Erfolgsschritte zurückführte. Zwar trat die Band nach wie vor mehr oder weniger regelmäßig live in Erscheinung - so zum Beispiel am 9. März 1991 als Special Guest von MOTÖRHEAD in der Frankfurter Festhalle - und veröffentlichte in Form des ‘Fat, Ugly & Live’-Konzertmitschnittes sowie dem Studioalbum zum 10-jährigen Bandbestehen ‘Stone Cold Sober’ (auf dem mit ‘Freibier’ der erste deutschsprachige TANKARD-Song enthalten war) zwei formidable Scheiben, aber jeder der Beteiligten konnte spüren, daß der „musikalische Zeitgeist“ mittlerweile ein anderer war und sich viele Leute eher die Veröffentlichungen irgendwelcher Heulsusen aus Seattle in den Schrank stellten, als unterhaltsamen, lustigen Thrash Metal aus deutschen Landen - sad but true. An diesem Zustand änderten auch die nächsten Veröffentlichungen nichts. ‘Two-Faced’, das sechste reguläre Werk der Band, enthielt mit ‘Death Penalty’ oder ‘Nation Over Nation’ sicherlich ein paar klasse Songs, aber irgendwie merkte man den Fünf aus Mainhattan an, daß sie nicht mehr mit vollem Enthusiasmus bei der Sache waren. Da war das unter dem Bandnamen TANKWART eingespielte Mini-Album ‘Aufgetankt’ fraglos spaßiger, verwurstete die Gruppe darauf doch einige Neue Deutsche Welle-Tracks in hartem Gewand und sorgte damit in einschlägig bekannten Kreisen für eine willkommene Party-Beschallung. Doch dieses Cover-Unternehmen brachte gleich in zweierlei Hinsicht Veränderungen im Line-up der Combo. Zum einen verließ Gründungsmitglied Axel Katzmann krankheitsbedingt die Band und zum anderen hieß es auch für Arnulf Tunn Abschied vom TANKARD-Schlagzeug nehmen - wenn in diesem Fall auch nicht ganz freiwillig. „Axel hatte durch seine Arthritis immer mehr Probleme beim Gitarrespielen, so daß er die Band verließ“, schaut Gerre zurück. „Bei unserem damaligen Drummer kam die Entscheidung hingegen von unserer Seite, weil da einfach zu viele Sachen aus dem Ruder liefen. Vom musiklaschen Können her, war der Mann sicherlich eine Hausnummer, allerdings gab es menschlich einige Diskrepanzen, die für uns nicht mehr länger tragbar waren. Mehr Worte sollte man da heute gar nicht mehr drüber verlieren - ist ja schon verjährt, hahaha.“
Die Nachfolge auf dem verwaisten Schlagzeughocker trat jedenfalls Olaf Zissel an, der zuvor mit KILLRAYS und AUTOPSIA schon einige Erfahrung sammeln konnte und seine Sache auf der ‘Two-Faced’-Tour sowie dem besagten ‘Aufgetankt’-Mini-Album dementsprechend souverän anging. „Bei Olaf hat man sofort gemerkt, daß er prima zum Rest des Haufens passt“, lobt Frank seinen trommelnden Sidekick. „Der Typ ist zwar recht still und introvertiert, aber im Endeffekt genauso wahnsinnig wie wir selbst, hahaha.“ In der Tat eine gute Voraussetzungen für eine fruchtbare Zusammenarbeit…


Neuland
Die ‘Two-Faced’-Tour sollte die letzte wirklich zusammenhängende Konzertreise der Band für die nächsten Jahre bleiben, was ganz einfache Gründe hatte, wie Frank erklärt. „Wir hatten damals alle wieder Jobs angenommen, weil wir von der TANKARD-Kohle alleine nicht mehr leben konnten, und da waren solche ausufernde Geschichten schlicht und ergreifend nicht mehr machbar. Bis zu diesem Zeitpunkt hatten wir ja zu jeder Platte eine Tournee gespielt und ansonsten übers Jahr verteilt nur noch wenige Einzelgigs, doch nach dem besagten Album verhielt es sich damit genau umgekehrt. Fortan - und zwar bis zum heutigen Tag - spielen wir eigentlich nur noch Wochenendshows.“ Die Jobs waren Mitte der Neunziger Jahre allerdings nicht der einzige Grund für diesen „Verhaltenswechsel“ in den Tourgewohnheiten der Band. „Man mußte ganz einfach erkennen“, so Gerre, „daß man mit Thrash Metal niemanden mehr hinterm Ofen hervorlocken konnte.“ Sicherlich einer der Gründe, warum auch TANKARD auf der folgenden ‘The Tankard’-Scheibe eine kleine Kurskorrektur vollzogen und zumindest partiell Neuland betraten. „Andy Bulgaropulos war während der Entstehung von ‘The Tankard’ viel mehr als in der Vergangenheit beim Kreieren der Melodielinien involviert und ich denke, daß der hauptsächlich Schub hin zur Veränderung dadurch ausging“, resümiert Gerre die Produktionsphase der melodischsten Bandveröffentlichung. „Es handelte sich bei den Kompositionen sicherlich nicht um eine komplette Abkehr von dem bekannten TANKARD-Sound, aber dennoch unterschied sich das Ding ziemlich von unseren vorangegangenen Arbeiten - was nicht jedem Fan gefiel. Ich finde die Platte auch heute noch ziemlich klasse, aber gerade die Tatsache, daß mein Gesang mehr zu einem solchen wurde, und der erwähnte Melodie-Faktor, stießen manchen altgedienten Anhängern sauer auf.“ Da half auch der abgefahrene Video-Clip, der zu dem Song ‘Minds On The Moon’ gedreht, und laut Gerre „nirgends ausgestrahlt“ wurde, nichts.
Kein Wunder also, daß die Band darum in den nächsten Jahren recht desillusioniert „vor sich hinvegetierte“, nur noch wenige Auftritte absolvierte (1998 beliefen sich die TANKARD-Auftritte auf stattliche 3) und nach der Schlager-Verwurstung ‘Himbeergeist Zum Frühstück’ unter dem TANKWART-Banner auch dieses Sideproject ad acta legte. Erschwerend kam in dieser Phase hinzu, daß nach den Aufnahmen zum nächsten regulären TANKARD-Album ‘Disco Destroyer’, die Ende ‘97/Anfang ’98 von statten gingen, Andy Bulgaropulos die Band verließ, um fortan mit seiner Familie in Berlin zu leben. „Das war eine wirkliche Scheiß-Situation, die wohl zur schwärzesten in der gesamten Bandhistory zu zählen ist“, meint Frank heute dazu. „Aber wie wir nun einmal sind, haben wir uns auch davon nicht unterkriegen lassen und haben uns eben auf die Suche nach einem neuen Gitarristen gemacht.“ Die Band lud verschiedene Bewerber in ihren Proberaum ein und fand letztendlich in Andy Gutjahr auch die absolute Traumbesetzung für diesen Posten, allerdings erst nachdem die Auditions so manch einen obskuren Vertreter aus der Versenkung gelockt hatten. Gerre erinnert sich: „Da kam irgendwann mal so ein Typ vorbei, der sich „Fürst der Finsternis“ nannte, und der mächtig einen an der Waffel gehabt haben muß, hahaha. Nicht nur, daß er zum Einstand von uns verlangte, daß wir sein Arbeitsgerät in den Proberaum schleppen sollten - der hat auch auf der Klampfe einen Müll abgelassen, der seinesgleichen suchte. Das einzig Gute, was er uns damals überreicht hat, waren somit auch die extra von ihm angefertigten Kondome mit der Aufschrift „Der Fürst ist in dir“ - einfach nur göttlich, hahaha!“
Wie gesagt: die Wahl für die Neubesetzung des vakanten Gitarristen-Posten fiel letztendlich auf den zuvor schon bei LIGHTMARE aktiven Andy Gutjahr, aber dennoch tat sich im Jahr 1998 nicht wirklich viel im Hause TANKARD. Zu so etwas wie dem Zünglein an der Waage im Hinblick auf das Fortbestehen der Band, sollte sich sogar der Auftritt beim Wacken Open Air am 7. August erweisen. „Ich habe mir im Vorfeld des Gigs so meine Gedanken gemacht und mir die Gretchen-Frage nach dem Zuschauerzuspruch und somit nach dem Sinn des Ganzen gestellt“, berichtet Gerre. „Entweder es würden 150 Nasen in dem Zelt auflaufen und niemanden interessiert der ganze Scheiß mehr oder aber das Ding ist gut gefüllt und es geht ansprechend ab. Glücklicherweise trat die zweite Variante ein und der Auftritt wurde zu einem vollen Erfolg. Das war so ein Zeichen für uns, daß es doch noch aufwärts gehen kann mit der Art von Mucke, wie wir sie nach wie vor gemacht haben - und wohl auch immer machen werden!“ Bei der besagten Show in Wacken zog sich der Frontmann zwar einen schmerzhaften Kreuzbandriß am Knie zu und durfte den nächsten Tag in einem Itzehoer Krankenhaus verbringen, aber die Erkenntnis, daß es mit TANKARD weitergehen konnte, war auch diese Blessur wert.


Bierkönige
Der neu gefundene Elan wurde gemeinsam mit dem ebenfalls neuen Axtschwinger 1999 auch wieder verstärkt auf den Bühnenbrettern präsentiert und führte TANKARD erstmals in der Bandgeschichte nach Japan und Tschechien. Zurück von diesen Unternehmungen begaben sich TANKARD direkt in Songschreiber-Klausur und leierten sich das Material für den nächsten Longplayer ‘Kings Of Beer’ aus dem Handgelenk. Aufgenommen wurden die Songs, unter denen sich solche Perlen wie ‘Flirtin’ With Desaster’, ‘Dark Exile’ oder der Titelsong befanden, Anfang 2000 im Lüttener Spiderhouse-Studio zusammen mit Harris Johns und Ex-Gitarrist Andy Bulgaropulos. Trotz der unbestreitbaren Klasse des Materials zeigt sich Gerre heute nicht mehr rundherum glücklich mit der Scheibe. Was jedoch vielleicht auch daran liegt, dass er generell keine guten Erinnerungen an die relevante Zeitspanne hat. „2000 war ein ziemliches Scheiß-Jahr für uns. Ich ließ mir die Mandeln entfernen und hatte schlicht und ergreifend so etwas wie einen „mentalen Hänger“, so daß wir erst einmal eine Pause einschoben. Wir spielten in den zwölf Monaten nur einen einzigen Gig und ließen die Band ansonsten einfach ruhen. Das war damals einfach mal nötig“, beschließt der Sänger die Reise in für ihn ungünstige Zeiten.
2001 lief der Bandmotor dann wieder langsam an, die Band spielte einige Konzerte (darunter auch renommierte Festivals wie das With Full Force, in Wacken und beim Summer Breeze) und es ließ sich für keinen der Beteiligten leugnen, daß der Spaß an der Sache wieder da war. Und genau dieses Gefühl der wieder gefundenen Freude am Krachmachen schlug sich im nächsten Album, dem Jubiläumsalbum zum 20. Wiegenfest der Gruppe, ‘B-Day’, nieder. TANKARD arbeiteten dafür zum ersten Mal mit Andy Classen als Produzent zusammen und rotzten in dessen Stage One-Studio ein Werk ein, daß aller Geburtstagsehren wert war. „Ich sehe das Album heute auch als regelrechten Schnitt in der Bandarbeit“, kommentiert Gerre die Platte. „‘B-Day’ war die erste Scheibe, die wir nicht mit Harris Johns produziert hatten, wir fanden bei AFM Records ein neues zuhause und auch in Sachen Songwriting war das ein Sprung, den ich uns selbst eigentlich gar nicht mehr zugetraut hatte.“ Die Qualität sämtlicher Songs stimmte und somit fielen auch die Reviews in den einschlägigen Gazetten durch die Bank weg positiv aus, was der Formation wiederum verstärkt Konzertanfragen einbrachte. Neben einer ganzen Menge Gigs im Ausland (darunter auch Länder wie Italien oder Griechenland), spielten TANKARD 2002 auch zwei denkwürdige Konzerte in den hiesigen Gefilden. Zum einen beging man am 29. Mai in der Frankfurter Batschkapp, und somit vor heimischem Publikum, das 20-Jahre-Jubiläumskonzert, und zum anderen trat das Quartett zum ersten Mal beim Bang Your Head!!!-Festival in Balingen auf. Da die Band beim letztgenannten Event nicht sonderlich erbaut über die vom Veranstalter ausgegebene frühe Auftrittszeit war, entschlossen sich die Herren Geremia, Thorwarth, Gutjahr und Zissel kurzerhand in Schlafanzügen aufzutreten - Kult!
Die folgenden Monate standen dann im Zeichen des Songwritings. Neben einigen sporadischen Auftritt kümmerten sich die Frankfurter vornehmlich darum, einen würdigen ‘B-Day’-Nachfolger auf die Reihe zu bekommen, was vor allem Gerre immer wieder schlaflose Nächte einbrachte. „Ich bin von Haus aus ein Zweifler und so plagte mich die Überlegung, ob wir den qualitativen Standard von ‘B-Day’ würden halten können, schon ganz schön. Aber wie es sich letztendlich gezeigt hat, waren die Zweifel mal wieder umsonst, hahaha.“ Stimmt genau, denn die im November 2003 erneut mit Knöpfchendreher Andy Classen eingebretterte ‘Beast Of Bourbon’-Wundertüte kam bei der Anhängerschaft noch besser an als der besagte Vorgänger und katapultierte TANKARD wortwörtlich in den zweiten Frühling. Der Härtezuwachs der Kompositionen insgesamt, und Traumsongs wie der Opener ‘Under Friendly Fire’, ‘Slipping From Reality’, ‘Beyond The Pubyard’ oder das köstliche ‘Die With A Beer In Your Hand’ im Speziellen, trafen den Geschmack der Fans, so daß der TANKARD-Tourkalender auch im Jahr 2004 wieder bestens gefüllt war. „Darin liegt auch der größte Erfolg seit der Veröffentlichung von ‘B-Day’“, meint Gerre. „Wir haben seitdem die Möglichkeit in Ländern zu touren, in denen wir noch nie zuvor waren.“ Neben Portugal, Schweden, Irland und den USA ging die Reise dabei in den letzten Jahren auch ins ehemalige Jugoslawien - und endete für den beleibten TANKARD-Frontmann beinahe endgültig dort, wie sein Bandmate Frank Thorwarth erzählt. „Die Auftritte in den dortigen Clubs waren zwar sehr abgefahren, allerdings hatten wir bei den Reisen durch das Land zweimal mehr Glück als Verstand. Zum einen wurde unser Wagen in irgendeinem Kaff von Fußballfans, die uns wohl für Anhänger der gegnerischen Mannschaft hielten, mit Steinen bombardiert, so daß die Frontscheibe dran glauben mußte, und wir dem Fahrer danken können, daß er einen kühlen Kopf bewahrte und das Gefährt noch aus der Gefahrenzone lenkte. Zum anderen mußten wir an einem anderen Tag staubedingt irgendwo anhalten und Gerre nutze die Zeit dazu, die Blase zu entleeren, übersah dabei jedoch, daß er schnurstracks auf ein als Minenfeld gekennzeichnetes Gebiet marschierte. Wie schon die Steinwurfgeschichte ging auch diese Aktion glücklich und für uns alle schadlos aus, aber irgendwie haben einem dabei doch die Knie ganz schön geschlottert.“


Leinwandhelden

Das „wilde Touren“ ging auch 2005 weiter. Neben vielen „normalen“ Gigs in Deutschland (unter anderem erneut beim Bang Your Head!!!-Festival), den Benelux-Staaten, Frankreich, Portugal und der Schweiz, bestritt das hessische Quartett dabei am 25. Mai auch einmal mehr ein Heimspiel in der Frankfurter Batschkapp, das für die erste TANKARD-DVD ‘Fat, Ugly And Still (A)Live’ mitgeschnitten wurde. Aufgestockt um einen zweiten Silberling, der viele „lustig-obskure Abartigkeiten“ beinhaltet, gehört diese Ton- und Bilddokument ganz klar zu den absoluten Highlights der Bandgeschichte. Aber bei diesem einen Auftritt vor laufenden Kameras sollte es für TANKARD nicht bleiben! Nachdem die Band nämlich im Januar 2006 das nächste und bislang letzte reguläre Studioalbum ‘The Beauty And The Beer’ eingespielt hatte, bekam sie beim DFB-Pokalfinale zwischen Bayern München und Eintracht Frankfurt am 29. April die Möglichkeit, im Berliner Olympiastadion die Eintracht-Hymne ‘Schwarz-weiß wie Schnee’ zu intonieren, was Gerre als alten SGE-Fanatiker natürlich nach wie vor begeistert. „Wir hatten den Titel ja ursprünglich bereits 1999 für einen Sampler zum 100-jährigen Bestehen des Vereins eingespielt, und irgendein guter Geist hat den Track nach dem Halbfinalsieg der Eintracht gegen Arminia Bielefeld durch die Stadionboxen gepustet, was wohl vielen Leuten ganz gut gefallen hat. Na ja, lange Rede, kurzer Sinn: Ungefähr eine Woche vor dem besagten Endspiel nahm die Marketing-Abteilung des Vereins jedenfalls mit uns Kontakt auf und machte uns das Angebot in Berlin vor der Frankfurter Fankurve zu spielen, was wir natürlich nicht ausschlagen konnten. Das war etwas für die Ewigkeit, von dem wir fraglos noch unseren Enkeln erzählen werden, hahaha.“ Im weiteren Verlauf des Jahres machte sich die Band dann hierzulande rar und konzentrierte sich auf Konzerte im Ausland - schließlich wollte man sich diese Präsenz in hiesigen Gefilden für 2007 und das damit verbundene 25-jährige Bandjubiläum aufheben. Einige der Gigs, wie zum Beispiel beim Keep It True- sowie beim Rock Hard-Festival, sind bereits absolviert, aber für Ende des Jahres ist noch eine kleine, aber feine Jubiläumstour anvisiert, für die sich TANKARD noch einmal den Luxus eines Nightliners gönnen werden und bei der der Spaß für alle Beteiligten schon jetzt vorprogrammiert ist. In diesem Sinne: Cheers a lot! Auf das nächste viertel Jahrhundert, ihr Abfahrer!

Autor: Peter Engelking


Interview mit TANKARD-Manager Buffo Schnädelbach

In der deutschen Metal-Landschaft gibt es neben dem TANKARD-Manager Buffo Schnädelbach eigentlich keine wirklichen Kult-Figuren mehr, die sich abseits der Bühne um das Wohl ihrer Schützlinge kümmern. Wenn sich Bands heutzutage schon die Dienste einer helfenden Business-Hand sichern, dann handelt es sich dabei meist um mittlere bis größere Firmen, die von der eigentlichen Materie, nämlich dem Heavy Metal an sich, keinen blassen Dunst mehr haben. Bei diesen Konstellationen geht es vornehmlich um Umsatzsteigerung, Profitgier, eben den schnöden Mammon. Anders bei der Brut aus Mainhattan. Hier ist der Manager praktisch fünftes Bandmitglied und mindestens ein ebenso großer Chaot, wie der Rest des Haufens. Wir wollten es uns daher nicht nehmen lassen, dem „fadenziehenden Mann“ im Hintergrund im Rahmen unserer TANKARD-Geschichtsstunde auch einmal ein wenig auf den Zahn zu fühlen.

Buffo, du bist heute Anfang Vierzig und hast einen Großteil der TANKARD-History leibhaftig und in aller erster Reihe miterlebt. Wann haben sich denn dein Weg und der der Band denn zum ersten Mal gekreuzt?
„Den Gerre habe ich irgendwann Anfang der achtziger Jahre im Stadion kennen gelernt. Damals haben sich viele der Metal-Freaks in Frankfurt untereinander gekannt, so daß diese Begegnung gar nichts Außergewöhnliches war. Aber zum eigentlichen Engagement als Bandmanager bin ich geraume Zeit später sprichwörtlich gekommen, wie die Jungfrau zum Kinde. Gerre hatte nämlich mitbekommen, daß ich meine ersten Artikel fürs Rock Hard geschrieben hatte, das muß so ´85 gewesen sein, und sprach mich auf den Manager-Posten an, da TANKARD gerade einen Deal bei Noise Records unterschrieben hatten und er davon ausging, daß ich schon ein paar hilfreiche Beziehungen mitbringen würde. Allerdings mußte ich den Guten damals noch enttäuschen, denn ich war gerade im Begriff den Vorstellungen meiner Mutter zu entsprechen, „etwas kaufmännisches zu lernen“ und eine Banklehre bei der Commerzbank in Frankfurt anzufangen. Mit dieser Berufung war es jedoch nicht allzu weit her und ich habe nach zwei Monaten die Notbremse gezogen, mich aus dem Irrenhaus verabschiedet, also meine Lehre hingeschmissen, und war somit bereit für den Job bei TANKARD.“

Warst du denn davor schon selbst in Bands aktiv oder hast du Musik stets von der passiven Seite aus genossen?
„Nein, selbst Musik habe ich nie gemacht! Und wenn ich mir so anschaue, wie die Jungs auf der Bühne immer schwitzen, bin ich auch ganz froh, daß ich mich für diese Seite der Geschichte entschieden habe. Ich hasse nämlich kaum etwas mehr, als zu schwitzen, hahaha.“

Dennoch mußtest du ganz am Anfang eurer Zusammenarbeit auch einmal mit auf die Bretter, die die Welt bedeuten…
„Das ist mir noch in grausamer Erinnerung geblieben, ja! Das war damals der allererste TANKARD-Gig nach meinem „Amtsantritt“ und Gerre hat mich tatsächlich in seinem Wahn dazu genötigt, bei dem Song ‘Alcohol’ mitzusingen - was für alle Beteiligten ein Zumutung war! Danach hat die Band glücklicherweise von solchen Aktionen abgesehen und mich meine Arbeit machen lassen. Schließlich kann ich besser mit Geld als mit einem Mikro umgehen, was in meiner Tätigkeit ja schon von Vorteil ist, oder!?! Was nutzt ein Manager, der selbst die ganze Kohle versäuft, verkifft oder verhurt?“

Wenn du damals so ins „kalte Business-Wasser“ gesprungen bist mit diesen Job: Gab es denn einen aktiven Manager, an dem du dich zu Beginn orientiert hast?
„Hahaha, du meinst so eine Art „Manager-Vorbild“? Nein! Durch meine damals gerade intensiver werdende Schreibertätigkeit beim Rock Hard und auch beim Metal Hammer habe ich irgendwann Ende der achtziger Jahre Boggi Kopec kennen gelernt, der seinerzeit schon Gruppen wie KREATOR und SODOM managte, und von ihm sicherlich den ein oder anderen Tip bekommen, aber das war’s auch. Heute schlage ich natürlich ab und zu mal die Hände überm Kopf zusammen, wenn ich mir überlege, wie naiv ich damals bei manchen Dingen war. Aber was macht man nicht alles in jugendlicher Unbekümmertheit!?!“

Wie weit geht denn mittlerweile dein Einfluß auf die Band? In welchem Umfang genießt du bei musikalischen Ideen beziehungsweise auch bei personellen Fragen in der Vergangenheit denn Mitspracherecht?
„Also generell ist es bei uns so geregelt, daß ich als fünftes beziehungsweise früher als sechstes Bandmitglied geführt werde - das gilt sowohl für die zu fällenden Entscheidungen als auch für den finanziellen Aspekt. Jeder von uns bekommt also den gleichen Teil des - heute zugegebenermaßen recht kleinen - Kuchens ab. Bei den grundlegenden Fragen, die die Band betreffen, sind es meistens Gerre und ich, die Entscheidungen treffen. Das bedeutet allerdings keineswegs, daß die anderen Musiker Tölpel sind, ganz im Gegenteil, aber Frank, Andy und Olaf sind durch Familie, Job, etc. viel mehr eingebunden als wir und somit ganz froh über diese Handhabung. Falls es dann wirklich einmal Unstimmigkeiten untereinander gibt, zählt die Bandmehrheit, das ist klar! Das verhält sich auch bei Personalfragen so, obwohl es da ohnehin nur einen ehemaligen Mitstreiter gab, der absolut nicht mehr tragbar war und aus der Band befördert wurde. Alle anderen Wechsel gingen aufgrund von familiären oder gesundheitlichen Gründen vonstatten.“

Warf sich in all den Jahren denn für dich auch einmal die Frage auf, neben TANKARD noch eine oder mehrere andere Bands zu managen?
„Ende der achtziger Jahre habe ich mich auch mal kurzzeitig um die Belange der Frankfurter Band GRINDER gekümmert, die mit ‘Dead End’ eine richtig geile Scheibe am Start hatten, aber das hat aus diversen Gründen nicht wirklich gut hingehauen. Zum einen stand die Band bei Charly Rinnes No Remorse-Label unter Vertrag, was eine wahrhaftig schlechte Ausgangsposition war, und zum anderen waren ein oder zwei der damaligen Bandmitglieder auf einem sonderbaren Rockstar-Trip, den niemand brauchte. Und nicht zu vergessen: Irgendwo gab es zwischen TANKARD und GRINDER ja auch ein gewisse Konkurrenzsituation. Anyway, es gab immer mal wieder Anfragen über die Jahre hinweg, die ich jedoch stets abgelehnt habe. Ein Sauhaufen ist definitiv genug, hahaha.“

Ein Sauhaufen, mit dem man allerdings auch verdammt viel Spaß haben kann. Was würdest du denn als deine persönlichen Highlights mit TANKARD bezeichnen?
„Oh, da gibt es mehrere Sachen, die mir in guter Erinnerung geblieben sind. Als erstes logischerweise mein bereits angesprochener Amtsantritt `86 im Frankfurter Südbahnhof, oder der Auftritt beim Rock Hard-Festival 1989 in Lichtenfels, bei dem es den ganzen Tag geschüttet hat wie Sau - nur pünktlich zum TANKARD-Gig kam die Sonne raus. SEPULTURA haben damals vor uns und RUNNING WILD nach uns gespielt, und beide Bands wurden vom Regen brutal von der Bühne gespült - wobei gerade Rock`n´Rolf, der alte Säbel-Pirat, das ja auch durchaus verdient hatte, hahaha. Legendär war aber auch unsere erste echte Tournee 1988. Wir hatten überall mächtig viele Zuschauer, waren im Nightliner unterwegs und nur besoffen. Fanden wir damals alle klasse, nur der Busfahrer nicht! Oder der Charteinstieg damals mit ‘The Meaning Of Life’ - da waren wir verständlicherweise stolz wie Oskar. Aber es gab auch in der jüngeren Vergangenheit viele schöne Geschichten. So haben wir gerade in den letzten Jahren sehr oft in Ausland gespielt, 2006 zum Beispiel auch zum allerersten Mal in den USA, was fast immer total spaßig war. Highlights gab es bislang also jede Menge!“

Gut so! Dann bleibt uns nichts anderes zu tun, als die Daumen zu drücken, daß es auch zukünftig derartig geschmeidig und unterhaltsam weitergeht mit TANKARD und ihrem „two-faced manager“!
Autor: Peter Engelking



Das fällt der Prominenz zu „25 Jahre TANKARD“ ein:


Tom Angelripper (SODOM)
„Für mich gehören TANKARD zu den Urgesteinen der deutschen Metal Szene. Ich freue mich immer, wenn ich die Jungs treffe, dann geht´s zur Sache. Hoffe, daß wir mal wieder zusammen touren, denn wir sind aus dem selben Holz geschnitzt! Ich wüsche den Jungs alles Gute - macht weiter so. Also, hoch die Tassen....!“

Gerrit P. Mutz (SACRED STEEL)
„Seit mir Gerre die Zunge in den Hals gesteckt hat, bin ich ja quasi ein TANKARD-Groupie und somit extrem voreingenommen…aber egal. TANKARD rules! Aus purer Hingabe und in devoter Ehrerbietung covern wir mit SACRED STEEL ab und an als Showhöhepunkt TANKARDs Meisterwerk ‘ (Empty) Tankard’, auch wenn das des Öfteren etwas ins Chaotische abdriftet und uns sichtlich/hörbar überfordert…
Danke für die Musik - TANKARD, Danke für die Liebe - Gerre. Auf weitere 25 Jahre Spaß und Bier!“

Michi „Das Letzte Einhorn“ Rhein (IN EXTREMO)
„Die sehen aus, wie von der Wende verweht. Respekt für diese Jungs!“

Sabina Classen (HOLY MOSES)
„Gerre und TANKARD: da fallen mir einige Stories ein! Gerre und ich wachen - jeweils auf einer schmalen Holzbank liegend - in einer Sporthalle auf mit dickem Kopf … nach einem gemeinsamen Gig anno 1990… und wissen nicht, warum wir noch im kalten Backstageraum liegen.
Gerre kommt anno 2006 am 2. Dezember nach Aachen um auf der HOLY MOSES 25-Jahresparty mächtig mitzufeiern. Am nächsten Tag spielt die Eintracht gegen Alemannia Aachen. Gerre und ich wollen uns nach dem Spiel treffen, aber die Frankfurter werden von den Aachenern abgeschottet und Gerre ist zu besoffen um mich wieder zu finden….
1989: TANKARD und HOLY MOSES spielen in Aachen für die legendäre WDR-Sendung „Scream“ und der Krach wird auch noch live im WDR1 Radio übertragen

Götz Kühnemund (Rock Hard Magazin)
„Gerre war 1983 zahlendes Mitglied der legendären „Metal Maniacs Germany“. Deshalb MUSS der Mann Kult sein. Und seine Band, die damals ständig mit ihren ‘Alcoholic Metal’-Demo-Glanztaten nervte, natürlich auch. Gerre, ich liebe dich!“

Tobias Sammet (EDGUY/AVANTASIA)
„Obwohl Gerre Eintracht Frankfurt-Fan ist, ist er ein netter Typ. Ich habe ihn sogar mal nüchtern getroffen...und er war trotzdem sehr witzig. Auf die nächsten 25...“

Robert Kampf (Labelboss Century Media)

„TANKARD und ihr (damals) 6. Bandmitglied, Manager Buffo, waren lange schon Freunde, bevor wir Mitte der 90er dann zusammen mit TANKWART starteten und ein paar spaßige Jahre hatten. Von allen deutschen Bands sind TANKARD klar die am meisten Spaß verbreitende und die absoluten Party- und Saufkönige. ‘Chemical Invasion’: “We fight for our right to drink clean beer (oder so)…”

Schmier (DESTRUCTION):
„TANKARD haben kein Säuferimage - denn sie leben unglaublicher Weise ihr Texte wirklich: die Jungs waren tatsächlich auf jedem Gig, Party, Festival immer die Vollsten! Bauchschmerzen vor lachen garantiert, vor allem wenn Gerre richtig einen im Tee hat und aufdreht ... wenn man weiß, daß der Frontmann seit Jahren als Streetworker Drogensüchtige betreut, ist das schon abgefahren und verdient großen Respekt!“

Peavy Wagner (RAGE):

„Ich hab selten einen so herzlichen und ehrlichen (und besoffenen) Menschen erlebt wie Gerre! Alles Gute zum Jubiläum!“

Erik Fleuren (LEGION OF THE DAMNED):
„Nach 25 Jahren Thrash Metal und Alkohol, immer noch nicht die Schnauze voll! Genial!! Prost!!!“